1.1 Begriffsbestimmungen
Usability ist im Feld des Human Computer Interaction (im folgenden HCI) angesiedelt. Darunter versteht man ein besonderes Wissenschaftsfeld, welches sich mit dem Erforschen von menschlicher Interaktion mit Computersystemen befasst. Ebenso wie für Usability ist hier allerdings keine allgemeingültige Definition zu finden.
Eine Untergruppe von HCI stellt Usability dar. Dies soll Thema dieser Arbeit sein.
Hinter dem Schlagwort Usability verbergen sich eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven und Ansätze. Dies verdeutlicht ein regelrechtes Begriffswirrwarr. Nutzerfreundlichkeit, Benutzbarkeit, Benutzerfreundlichkeit, Gebrauchstauglichkeit, Bedienungsfreundlichkeit, Bedienbarkeit und Usability werden häufig nebeneinander synonym verwendet. All diese Begriffe sollen die Qualität des Dialoges zwischen dem Menschen und dem Softwaresystem charakterisieren. Je nach Quelle finden sich mehr oder weniger einleuchtende Definitionen und Abgrenzungen zu den anderen Begriffen.
Der Begriff Gebrauchstauglichkeit hat sich allgemein als Übersetzung des englischen Begriffs Usability durchgesetzt.
Da die Norm DIN EN ISO 9241 (s.u.) dies ebenfalls zur Grundlage macht, sollen in den folgenden Ausführungen der Begriff Usability entweder unübersetzt bleiben oder als deutsche Übersetzung das Wort Gebrauchstauglichkeit verwendet werden.
Durch die Konkretisierung von Dr. Phil. Jakob Nielsen, einem der amerikanischen Wegbereiter der Usability – Bewegung, soll der Begriff Usability sinnvoll erweitert und somit dem Forschungsursprung in den USA Rechnung getragen werden.
Zunächst wird eine Analyse anhand von software-ergonomischer Normen stattfinden.
Die größte Bedeutung auf dem Gebiet ergonomischer Bestimmungen hat die mittlerweile international anerkannte Normenreihe DIN EN ISO 9241.
Insbesondere Teil 10 (Dialogue Principles) sowie Teil 11 (Usability Statements) der aus insgesamt 17 Teilen bestehenden Reihe sind im Rahmen der vorliegenden Arbeit interessant. Eine Übersicht dieser Normenreihe findet sich in Anhang 1.
Diese Norm gibt eine Reihe von Gestaltungsempfehlungen für Bedienungsoberflächen unter dem Namen „Bildschirmarbeitsplatzverordnung“ bekannt. Teil 10 legt wichtige Grundsätze der Dialoggestaltung fest:
- Aufgabenangemessenheit: Der Dialog sollte den Benutzer unterstützen um dessen Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen.
- Selbstbeschreibungsfähigkeit: Jeder einzelne Dialogschritt soll durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich sein.
- Erwartungskonformität: Der Dialog sollte konsistent sein und den Merkmalen des Benutzers entsprechen.
- Steuerbarkeit: Der Benutzer sollte in der Lage sein, den Dialogablauf zu starten sowie dessen Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen.
- Fehlertoleranz: Dem Benutzer muss es möglich sein trotz eventueller fehlerhafter Eingaben mit minimalem Korrekturaufwand das beabsichtigte Arbeitsergebnis zu erreichen.
- Individualisierbarkeit: Das Dialogsystem muss Anpassungen an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe sowie an die individuellen Fähigkeiten und Vorlieben des Benutzers zulassen.
- Lernförderlichkeit: Ein Dialog sollte den Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützen und anleiten.
Diese Grundsätze führen zu Teil 11, in dem die Gebrauchstauglichkeit – im englischen Original Usability – genannt definiert wird.
„Gebrauchstauglichkeit: Das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und mit Zufriedenheit zu erreichen.“ DIN EN ISO 9241-11 (Abschnitt “Definitionen”)
Gebrauchstauglichkeit charakterisiert demnach die Eignung einer Benutzungsoberfläche in einem spezifischen Nutzungskontext. Über die Kenngrößen Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit ist eine Messung dieser Gebrauchstauglichkeit möglich.
Effektivität bedeutet hier, dass ein Benutzer in der Lage sein sollte, genaue und vollständige Arbeitsergebnisse zu erzielen. Ein User hat eine bestimmte Absicht, wenn er sich im Internet aufhält. Ermöglicht ihm eine Website, seine Ziele zu erreichen und seine Wünsche zu befriedigen, so ist diese Website effektiv.
Effizienz dagegen bedeutet, dass die eingesetzten Ressourcen in Relation zum Ergebnis stehen. Der Aufwand hierbei muss für den User geringer sein als der durch die Website erreichte Ertrag. Der Umgang mit der Website sollte so einfach wie möglich und so effizient wie möglich gestaltet sein.
Zufriedenheit steht für die Freiheit von Beeinträchtigung und positive Einstellung des Benutzers gegenüber der Nutzung des Produktes. Dabei sollte die Zielerreichung möglichst hoch sein, was allerdings schwierig realisierbar erscheint, da sie von verschiedenen Erwartungen des Nutzers abhängt. Doch Zufriedenheit entsteht erst, wenn die Erwartungen des Nutzers erfüllt werden. Dazu ist es nötig die Erwartungen der Zielgruppe zu kennen und den Webauftritt daraufhin auszulegen.
Somit ist Usability nicht allein die Eigenschaft eines Produktes, sondern das Attribut einer Interaktion zwischen einem Benutzer und einem Produkt innerhalb eines bestimmten Kontextes. Der Nutzungskontext umfasst einerseits die Benutzer und deren Ziele und Aufgaben und andererseits die Ausrüstung am Arbeitsplatz.
Allerdings können diese Kenngrößen nicht durch eindeutige und dauerhafte Maße bestimmt werden, da die Bedeutung dieser Komponenten sowohl vom Nutzungskontext als auch vom Zweck der Gebrauchstauglichkeit abhängt. Deshalb sollte Usability immer zweckbezogen betrachtet werden. Dadurch ergibt sich, dass es objektive und kontextübergreifende Lösungen nicht geben kann und Faustregeln nur eingeschränkte Gültigkeit haben.
Usability setzt sich somit aus mehreren Komponenten zusammen und ist eng mit messbaren Charakteristika eines interaktiven Anwendungssystems verbunden. Jakob Nielsen bezeichnet diese Komponenten als Usability – Faktoren und zeigt auf, wie facettenreich der Begriff Usability zu verstehen ist. Teilweise erkennt man Parallelen zu oben genannten Grundsätzen der Dialoggestaltung.
Folgende Eigenschaften zählt Nielsen zu diesen Faktoren:
- Learnability: Das System sollte möglichst leicht zu erlernen sein, um schnellstens Arbeitsaufgaben zu bewältigen.
- Efficiency: Das System sollte zeitlich effizient zu nutzen sein und ein hoher Grad an Produktivität möglich sein.
- Memorability: Die Bedienung des Systems sollte leicht erinnerbar sein, so dass nach einer späteren Rückkehr das System nutzbar ist, ohne sich wieder neu einarbeiten zu müssen.
- Errors: Das System sollte eine niedrige Fehlerrate besitzen.
- Satisfaction: Das System sollte angenehm zu benutzen sein, so dass sich Zufriedenheit bei der Benutzung einstellt.
Demnach kann Usability als ein Maß für die Qualität der Benutzerinteraktion im Umgang mit einem System, sei es eine Website, eine traditionelle Softwareanwendung oder ein physisches Gerät gekennzeichnet werden. Usability ist also ein Qualitätskriterium, wenn es um die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe geht. Das System sollte gut benutzbar und gebrauchstauglich sein.
Hinzuzufügen ist, dass sich diese Usability Faktoren gegenseitig beeinflussen können. Somit sollte das Design im Kontext des Zieles stehen. Bei einem Kiosksystem (z.B. ein Fahrscheinautomat) sollte das oberste Ziel die leichte Erlernbarkeit sein. Bei einem sicherheitskritischen System dagegen, ist die Fehlertoleranz entscheidend. Und bei einem Videospiel sollte der Spaß an vorderster Stelle stehen.
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Trotz dieser breit angelegten Erläuterung des Begriffs beschränkt sich die Bezeichnung Usability in der Praxis auf computerverwandte Themen, obwohl ebenfalls in zunehmendem Maße andere elektronische Alltagsgegenstände wie Videogeräte oder Mobiltelefone auf Usability überprüft werden.
Welche Auswirkungen und Konsequenzen die vorangegangenen Begriffsbestimmungen auf die Usability einer Website haben, soll im folgenden Abschnitt erläutert werden.