4.1 Seitenlayout
Würde man die Titelblätter der zehn meistverkauften Tageszeitungen nebeneinander legen, so würden man auf zehn fast identische Seiten schauen: eine Titelleiste mit dem Namen des Blattes, eine Aufmacher-Story mit Headline, mehrere kleine Artikel, ein großes Foto und vielleicht einige Werbeanzeigen im unteren Abschnitt. Diese Konvention hat sich mittlerweile durchgesetzt und der Leser hat sich an diesen Aufbau gewöhnt.
Dies macht es leicht (die sprachlichen Barrieren vernachlässigt) sich in jedem erdenklichem Staat eine Zeitung zu kaufen und ohne Probleme die interessanten Artikel herauszufiltern.
Ähnliche Konventionen entwickeln sich im Web, auch wenn sich Designer oftmals scheuen, Konventionen zu folgen. Denn die Ergebnisse könnten langweilig erscheinen. Konventionen werden bekanntlich nur Konventionen, wenn diese funktionieren und von den Usern angenommen werden. Dieser Vorgang braucht Zeit, doch wie so vieles im Netz, geschieht dies hier sehr schnell.
Eine solche Konvention ist mittlerweile die Anwendung einer dreigeteilten Seitenaufteilung. Dazu gehört, dass die Seite in klare definierte Bereiche aufgeteilt ist und somit logisch zusammengehörige Teile auch visuell gruppiert sind. Blickverlaufsstudien (Eyetracking) haben gezeigt, dass dies dem Verhalten des Users entgegenkommt. Demnach wird sehr schnell entschieden, welche Teile die nutzvollen Informationen bereitstellen, während die uninteressanten ausgeblendet werden.
Die folgende Abbildung zeigt das Grundmuster einer einfach gestalteten Webseite, die in drei Hauptregionen zerlegt ist.

Abbildung 7: Das dreigeteilte Layout ist die Grundlage vieler Webseiten.Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Veen (2001), S.64.
Diese Einteilung basiert auf drei Fragen, die sich der Benutzer während seines Besuchs laufend stellen muss:
- Wo befinde ich mich? (Teil 1)
- Wohin kann ich gehen? (Teil 2)
- Worum geht es hier? (Teil 3)
Im Mittelpunkt steht hier, wie diese drei Fragen die grundlegenden Bedürfnisse und Erwartungen einer Webaudienz erfüllen, und nicht, wie eine möglichst ausgeklügelte Navigation oder intuitive Benutzerführung herzustellen ist.
Teil 1 in obiger Abbildung beantwortet die erste Frage “Wo befinde ich mich?” und dient der Identifikation. Da User nicht immer über die Homepage auf die Unterseiten gelangen, sondern oftmals über Bookmarks, Links oder Suchmaschinen ist es von großer Bedeutung zu zeigen, wo der User sich gerade befindet. Dabei findet die Lokalisation einerseits durch den Browser statt und andererseits durch das Logo und den Kopfteil der Seite. Der Browser stellt die URL und den Titel einer Seite dar , doch oftmals reicht diese Identifikation nicht aus. Entweder wurde der Seitentitel vom Webmaster nicht optimiert , die URL-Adresszeile wurde abgestellt oder dem User ist diese nicht bewusst und er ignoriert sie einfach.
Deshalb fällt diesem oberem Abschnitt auch besondere Bedeutung zu. Hier findet man eine weitere Konvention: ein Logo in der oberen Ecke steht als Link zur Homepage zur Verfügung, darunter evtl. eine Suchbox oder eine erweiterte Überschrift zur eindeutigen Identifizierung. Dies wurde bei einer Inspektion von 50 bekannten Homepages herausgefunden.
Der linke Streifen (Teil2 ) in obiger Abbildung sagt den Usern “Wo kann ich hingehen?” und ist ausschließlich für die Navigation reserviert. Hier hat sich ein vertikaler Streifen mit Hypertextverweisen eingebürgert. Diese Entscheidung ist unter anderem auf die Unwissenheit des Designers zurückzuführen: Dieser weißt nicht, welche Bildschirmauflösung der User benutzt und ebenso nicht wie weit sich das Fenster öffnen wird. Doch man weiß, dass der Seitenaufbau grundsätzlich oben links beginnt und in der westlichen Welt von links nach rechts gelesen wird. Somit ist gewährleistet, dass das Logo und die darunter liegende Navigation im Sichtfeld des Besuchers liegt.
Teil 3 ist schließlich für den eigentlichen Inhalt reserviert und beantwortet die Frage “Worum geht es hier?”. Die User sollten sofort erkennen, dass sie den Inhalt gefunden haben, nach dem sie gesucht haben. Allein für diesen Zweck stellt das gesamte Layout den ganzen Rest der Seite zur Verfügung.
Wenn man sich nun im Web umschaut, lässt sich dieses Grundschema auf die meisten Websites anwenden und man geht davon aus, dass der Benutzer mit dieser Struktur zurecht kommt.
Im Laufe der Zeit wurde diese Struktur erweitert und optimiert. So sieht man oftmals Drei-Spalten-Layouts, bei dem eine dritte Spalte rechts vom Inhalt hinzugefügt wurde, welches meist Zusatzfeatures wie Newsletter-Abos oder externe Links bereithält.
Wie im folgenden Schema zu erkennen ist, wurde im Yale Style Manual eine zusätzliche Fußzeile eingeführt, welche sich ebenfalls als Standard durchzusetzen scheint. Dabei sollte diese Fußzeile optisch getrennt sein vom Rest der Seite. Der Leser sucht somit oftmals automatisch am unteren Ende der Seite Basisinformationen wie das Datum der letzten Überarbeitung, Copyright-Rechte, Kontaktinformationen oder einen Link zur Emailadresse des Webmasters.

Abbildung 8 : Das klassische dreigeteilte Layout mit Fußzeile.Quelle: Lynch, Horton (1997a)
Selbstverständlich gibt es kein Allround-Muster eines Seitendesigns, das für alle Arten von Webpages angemessen ist. Diese dreigeteilten Layouts sind meist passend bei sehr textlastigen www-Informationssystemen. Solch ein System soll in Kapitel 8 dieser Arbeit inspiziert und überarbeitet werden. Das Layout sollte im Kontext zum Inhalt angemessen sein, unterstützend wirken und den Kenntnissen der Zielgruppe entsprechen.
Meist werden diese Seitenstrukturen mit Hilfe von Tabellen in HTML realisiert. Da hier auf diese Technik nicht näher eingegangen werden soll, soll stattdessen ein weiteres Element aus den Anfängen des www behandelt werden: Frames. Sie wurden 1995 von Netscape erfunden und in deren Navigator 2.0 implementiert, allerdings erst drei Jahre später in HTML 4.0 zum Standard erklärt. Die aktuellen Versionen der Browser garantieren dagegen eine – zumindest von Techniksicht aus gesehen – problemlose Handhabung.