4.2 Frames
Jakob Nielsen nennt die Verwendung von Frames eine der schwerwiegendsten Feh-ler im Webdesign. “Just say no!” lautet sein eindeutiges Statement zu dieser Tech-nik. Hier kann wahrscheinlich von einer der hitzig diskutiertesten Techniken bzgl. des Internets geredet werden. Bevor die auftauchenden Vor- und Nachteile beim Gebrauch aus dem Blickwinkel der Designer als auch der Benutzer erläutert werden, soll aufgezeigt werden, wie die User tatsächlich zu dieser Technik stehen.
Bei einer Umfrage an der Universität Siegen wurde herausgefunden, dass 31% der Nutzer Frames überhaupt niemals mögen und 35% durch die Benutzung solcher meist verwirrt werden. Dagegen sagte fast die Hälfte, dass sie Frames nur in einigen Fällen sinnvoll angewendet fänden. Bei der Wahl zwischen einer Frame-Version und einer Version ohne Frames, würden 65% den Auftritt ohne Frames bevorzugen.
Jared M. Spool fand bei Usability-Tests heraus, dass ein Gebrauch von Frames nicht zwingend Probleme verursachen muss. Die größte Gefahr bestehe allerdings darin, dass der User nach einem Klick nicht merkt, dass sich etwas verändert habe.
Mit der Frame-Technik ist es ebenfalls möglich, die oben beschriebenen dreigeteilten Layouts zu realisieren. In diesem Kontext soll auch von Frame-based-Design die Rede sein.
Ein Frame teilt eine Webseite in mehrere scrollbare Regionen ein. Dazu wird nicht wie bei einem auf Tabellen basierenden Layout lediglich eine Datei benötigt, sondern mindestens drei: Die Grunddatei enthält die Steueranweisungen, das sogenannte Frameset, welches für den gesamten Seitenaufbau zuständig ist, während für jeden einzelnen Frame eine weitere Datei benötigt wird, die den Inhalt liefert. Folgendes Schema soll dies verdeutlichen. Auffallend sind die zwei erscheinenden Scrollbalken und der horizontal verlaufende Rand unter der ersten Frameseite: Sobald die Inhaltsseiten zu groß sind, werden Scollleisten eingeschaltet und durchschneiden das Layout.

Abbildung 9: Das dreigeteilte Layout mit Hilfe von Frames.Quelle: eigene Darstellung
Dies ist oft ein Grund, warum Frames nicht eingesetzt werden. Doch die heutige Implementierung in die Browsertechnik ermöglicht vielfältige Einstellungsmöglichkeiten. Die Ränder können abgestellt werden, so dass das Design nicht mehr durch störende Scrollbalken oder Ränder gestört wird. Und bei einer Änderung der Fenstergröße passen sich die Frames dynamisch an, was leichter zu realisieren ist als mit einer Tabellenstruktur.
Hauptargument der Befürworter von Frames ist, dass es möglich ist, eine immer sichtbare Navigationsleiste zu gewährleisten (in obiger Abbildung z.B. Frameseite2), auch wenn in einem anderen Frame gescrollt werden muss. In diesem Zusammenhang wird auch davon geredet, nur einmal eine Navigationsleiste zu implementieren und nicht auf jeder einzelnen Unterseite. Dieser anscheinende Vorteil hat sich bis heute relativiert, da dies mit anderen Techniken, z.B. SSI oder PHP, ebenso einfach zu modifizieren ist.
Je nach Aufwendigkeit der Webseiten ist eine bessere Performance zu erwarten, da nur Teile der Seite neu geladen werden müssen. Bei Navigationsleisten, die anzeigen, in welchem Bereich sich der User aufhält, muss ohnehin eine neue Seite geladen werden, so dass auch dieser Vorteil nur oberflächlich gelten kann. Außerdem lassen sich auch Seiten ohne Frames so optimieren, dass sich relativ schnelle Ladezeiten ergeben.
Diesen Vorteilen stehen eine Vielzahl von Nachteilen gegenüber.
Zunächst einmal verstößt der Frame Ansatz gegen wichtige Grundsätze des Internets, die der ‘Vater’ des Webs Tim Berners-Lee beim Gedanken an ein weltumspannendes Netz formulierte.
Unter einer eindeutigen Adresse (URL) sollte ein einziges Dokument abrufbar sein. Doch bei der Frametechnik sieht der User nur die Adresse der Seite mit dem Frameset und nicht die der einzelnen Inhaltsseiten. Somit funktioniert das Festhalten einer Frameseite in der Favoritenliste (auch bookmarken genannt) nicht mehr, da nur die URL der Startseite gemerkt wird. Wird nun innerhalb dieses Systems ein Bookmark gesetzt, so wird nur die URL der Startseite erfasst. Beim erneutem Aufruf dieses Bookmarks kommt der User nur auf die Startseite und muss sich so erneut auf die gewünschte Unterseite durchklicken.
Dies führt zu einer insgesamt erschwerten Navigation: Von Tim Berners-Lee war gedacht, dass bei jedem Klick sich der Inhalt des aktuellen Fensters ändert. Doch bei Frames ist dies nicht im Voraus klar in welchem Fenster sich etwas ändert. Dies kann zu Verwirrungen führen und der User klickt mehrmals auf den gleichen Link, da er keine Veränderung beobachtet hat. Somit geht auch das mentale Modell einer Seite verloren, der User wird somit unnötig belastet und muss sich auf eine neue Seitenstruktur einstellen.
Viele Benutzer drucken Internetseiten gerne zum Lesen auf Papier aus. Doch diese Funktion ist in diesem Kontext erschwert. Normalerweise wird beim Drucken der aktuelle Frame (oder bei framelosen Auftritten das aktuelle Fenster) ausgedruckt. Hat der Benutzer zuletzt im Navigations-Frame einen Link geklickt und möchte anschließend den Inhalt ausdrucken, so druckt er den Navigations-Frame aus. Ärgerlich ist dies, wenn der Ausdruck nicht sofort kontrolliert wird, der Benutzer weitersurft und erst später merkt, dass das Falsche ausgedruckt worden ist. Befürworter werfen nun ein, dass es mittlerweile genaue Einstellungsmöglichkeiten im Browser gibt. Doch die wenigsten stellen die Defaulteinstellungen im Browser um. Folgende Abbildung zeigt die Einstellungsmöglichkeiten der aktuellen Browser IE 6 und des NN 6.2 beim Ausdrucken von Frameseiten.

Abbildung 10: Druckoptionen im NN 6.2 und IE 6.0 im StandardzustandQuelle: eigene Darstellung
Beim IE 6.0 ist diese Einstellung auf einem untergeordnetem Register vorhanden, der Benutzer findet unter Umständen diese Einstellungsmöglichkeit nicht. Netscape hat dagegen diese Einstellung sichtbar auf dem Popup-Fenster angebracht. Außerdem unterscheiden sich die Standardeinstellungen: Beim NN werden alle Frames auf einer Seite gedruckt (”Wie auf dem Bildschirm dargestellt” in obiger Abbildung), beim IE dagegen nur der markierte Frame.
Auf weitere Probleme soll nicht mehr eingegangen werden, stattdessen stellt sich die Frage, ob der Einsatz überhaupt sinnvoll sein kann. Obwohl man nicht mehr allzu viele Auftritte mit Frames sieht (T-online bspw.), lassen sich genügend sinnvolle Anwendungen dafür anführen.
So lässt sich bei Dr. Web eine Guided Tour für Erstbesucher finden: Der Bildschirm wurde im unteren Drittel horizontal geteilt. Im unteren Frame findet man eine kurze Dokumentation der oben angezeigten Seite. So ist es möglich sich linear die wichtigsten Kategorien und Seiten erklären zu lassen.
David Siegel führt hier die Möglichkeit an, eine Fotogalerie zu installieren, die im linken Frame kleine Vorschaubilder zeigt und bei einem Klick auf diese die Originalgröße im rechten Frame erscheinen lässt. Das Gleiche sei bei anderen Directorys (wie z.B. einer Rezeptdatenbank) sinnvoll.
Der PC-Hersteller Dell hat in seinen E-Commerce Seiten ein Tool eingebaut, bei dem sich im oberen Frame der PC konfigurieren lässt und im unteren der exakte Preis anzeigen lässt. Wählt man im oberen Frame eine andere Komponente aus, so wird der untere Frame aktualisiert und der aktuelle Preis verändert sich.
Nach diesen durchaus sinnvollen Anwendungen bleibt festzuhalten, dass es aufgrund der bekannten Nachteile sorgfältig abzuwägen ist, ob tatsächlich Frames benutzt oder auf eine modernere Technik (SSI oder PHP) gesetzt werden sollte.
Wichtig für die Umsetzung der oben besprochenen dreiteiligen Layouts ist Kenntnis über die Bildschirmgröße der Anwender. So kann eine Tabellenstruktur in HTML feste Größen zugeteilt werden und bestmöglichst an den User angepasst werden.