4.4 Farbgestaltung
Schaut man sich im Internet um, so scheint es, dass oftmals wahllos Farbkombinationen verwendet werden, ohne im Kontext mit dem Inhalt zu stehen. Dabei suggerieren Farben unterschwellig eine eigene Botschaft und unterstützen oder verfälschen die dargebotenen Aussagen. Der Einsatz von Farben sollte dem Anwender die Informationsvermittlung erleichtern und keinesfalls die Wahrnehmung des Inhalts negativ beeinträchtigen. Somit kann die visuelle und kognitive Verarbeitung der dargebotenen Informationen durch den Einsatz von Farben erhöht werden.
Generell gibt es beim Einsatz von Farben am Bildschirm einiges zu beachten: Aufgrund technischer Restriktionen kann nie genau festgelegt werden, wie die Farben auf dem jeweiligem Monitor des Betrachters aussehen werden. Dies hängt von mehreren Faktoren ab und verleiht somit der Farbe auf dem Bildschirm eine gewisse Instabilität:
- Die Einstellung der Farbtiefe der Grafikkarte, also wie viele Farben dargestellt werden können.
- Die Einstellung der Helligkeit und des Kontrastes des jeweiligen Monitors
- Das verwendete Betriebssystem (z.B. Macintosh-Rechner stellen Farben heller dar)
- Die Gammaeinstellung (verantwortlich für das Leuchten und die Dunkelheit) und Farbkalibrierung des Monitors.
- Webbrowser garantieren nicht immer die korrekte Darstellung der Farben.
Der Webdesigner ist ebenso wie bei der Bildschirmauflösung der Willkür der Technik ausgesetzt. Doch gibt es eine websichere Palette von 216 Farben, die die Browser identisch anzeigen. Farben werden auf dem Bildschirm durch das RGB-System zusammengesetzt: Die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB)Â erzeugen bei einer 8Bit Tiefe insgesamt 256 Farben, die von den meisten Computersystemen angezeigt werden. Die Browser NN und IE benutzen beide 216 Farben, die gemeinsam auf den Betriebssystemen von Microsoft und Macintosh angezeigt werden und somit als Browsersichere Farbpalette bezeichnet werden. ´
Es wird grundsätzlich empfohlen, Farben aus dieser Palette zu benutzen um eine einheitliche Darstellung zu gewährleisten. Verwendet ein Designer eine andere Farbe, so wird diese aus den drei Grundfarben gemischt, ein einheitliches Bild ist dadurch allerdings nicht mehr gewährleistet. Ein Abdruck dieser Farben in Verbindung mit den HTML -Hexadezimalcodes findet sich beispielsweise in Cailin Boyles Buch “Color Harmony for the web” (2001). Mittlerweile sind in den meisten Grafikprogrammen wie Photoshop 6.0 Farbwähler mit diesen 216 Farben enthalten und erleichtern somit die Auswahl dieser websicheren Farben.

Abbildung 14: Farbwähler in Adobe Photoshop 6.0
Aufgrund dieser technischen Problematik ist es ratsam auch der Farbendarstellung zuliebe die Seiten auf verschiedenen Systemen zu testen. Jill Morton berichtet bspw., dass bei einer Website für eine Fluglinie dunkelblau verwendet wurde, auf einigen Systemen stattdessen aber die Farbe Schwarz (Kulturabhängige Bedeutung!) angezeigt wurde.
Dieses Beispiel zeigt, dass Farben unterschiedliche Gefühle auslösen und vielfältige Bedeutungen haben. So assoziiert man z.B. mit der Farbe Rot automatisch Gefahr, Feuer oder Blut sowie Gefühle wie energisch, aufregend und leidenschaftlich. Schwarz steht dagegen in unserer Kultur für Tod. Auf einer Webseite drücken Farben somit Stimmung, Werte, Ziele und Persönlichkeit aus. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Farbpalette mit dem Inhalt harmoniert und die Aussagen verstärkt. Denkbar ist somit z.B. auf einer Gartenseite verschiedene Grün-Töne einzusetzen oder Blauabstufungen für Bootshersteller.
Oftmals stehen dagegen Marken für bestimmte Farben und einer eigenen Identität. Zu erinnern ist hier an das Rot von Coca-Cola (vgl. Abb 3), das Orange von Sixt oder das Lila von Milka. Dies zeigt, dass bestimmte Farben auf den Webseiten von Unternehmen erwartet werden und ein Einsatz anderer Farben den Wiedererkennungswert erschweren könnten. Somit gehört auch die Website eines Unternehmens zum Corporate Design.
Das Anpassen der Website an Minderheiten steht untrennbar im Kontext der Gebrauchstauglichkeit einer Website. Eine solche Minderheit stellen Farbenblinde Menschen dar, deren Fähigkeit Farben zu sehen eingeschränkt oder gar nicht vorhanden sind. Im ersten Augenblick scheinen diese Überlegungen ungewöhnlich, doch die DIN ISO Norm 9241 Teil 8 gibt an, dass ca. 10 % aller Menschen farbenblind oder -fehlsichtig sind. Die häufigste Variante ist die Rot-Grün-Farbschwäche.
Dies hat Auswirkungen auf die Gestaltung von Webseiten: Bei einer unglücklichen Farbwahl und einem geringen Kontrast werden einige Seiten nahezu unbrauchbar.
Hinsichtlich dieses Aspektes empfiehlt es sich, den Hintergrund und die Schrift möglichst kontrastreich zu gestalten. Bestes Beispiel ist hier schwarze Schrift auf weißem Hintergrund.
Doch dass eine Optimierung oftmals nicht leicht ist, zeigt folgendes Bild der Milka Homepage, welches mit Hilfe der Seite http://www.vischeck.com angefertigt wurde. Hier können Grafiken und Websites so angezeigt werden, wie sie Farbenblinde sehen.
![Abbildung 15: Die Milka Homepage aus der Sicht eines Normalsehenden (hinten) und eines Farbenfehlsichtigen [AM 7]](http://www.usability-diplomarbeit.de/wp-content/uploads/2006/11/abb15.jpg)
Abbildung 15: Die Milka Homepage aus der Sicht eines Normalsehenden (hinten) und eines Farbenfehlsichtigen [AM 7]
Das Milka-Lila (hintere Abbildung) wird durch den Rotanteil zu einem Hellblau, welches den blauen Link zum Webmaster fast nicht mehr sichtbar macht.
Wie wichtig Farben auch für das Web sind, zeigt sich bei der Verwendung von Links: blau unterstrichene Wörter sind meist Links zu unbesuchten Seiten und lilafarbene Wörter zeigen zu besuchten Seiten.
Nun soll der erste Schritt Richtung Content-Design gemacht werden und eine sinnvolle und brauchbare Darstellungsweise von Schriften näher erläutert werden.