Usability Diplomarbeit

Usability im www. Redesign eines Webauftritts mit Hilfe von Usability Testing

5.6 Animationen und Flash

Erstellt von nils75 am Monday 3. April 2006

Mit Gif-Grafiken ist es möglich kleine Animationen herzustellen, bei denen mehrere Einzelgrafiken hintereinander in einer Datei abgespeichert werden. Dadurch vergrößert sich die Dateigröße schnell und führt zu längeren Ladezeiten.

Grundsätzlich sollten solche Animationen, die man z.B. oft als Briefkasten, “drehendes @” oder Weltkugel sieht, sparsam eingesetzt werden. Alles was blinkt oder sich bewegt wird reflexartig erfasst, was wahrnehmungspsychologische Ursachen hat. Die Folge davon ist, dass der Mensch sich gar nicht solchem Blinken und Bewegen entziehen kann und somit vom eigentlichen Inhalt abgelenkt wird. Die Aufnahme, das Verarbeiten und das Behalten von Informationen wird somit erschwert. Dies ist wohl auch eine Erklärung, warum die meisten Werbebanner animiert und nicht statisch sind. Gleichzeitig entsteht hier die Gefahr die Animation zwar wahrzunehmen, aber zu ignorieren, da man denkt, es sei Werbung. Deshalb sollten keinesfalls wichtige Navigationselemente die Form eines animierten Banners haben.

Wenn trotzdem nicht auf Animationen verzichtet werden kann, so sollten einige Grundregeln beachtet werden, die wiederum auf wahrnehmungspsychologischen Eigenschaften beruhen:

  • Regelmäßiges Blinken ist besser als unregelmäßiges.
  • Glatte, saubere Bewegungen sind weniger beeinträchtigend als unruhige und ruckartige.
  • Verfolgbare Bewegungen sind besser als schnelle.
  • Möglichkeiten zum Ein- und Ausschalten sollten vorhanden sein.
  • Der Benutzer sollte nicht den Eindruck haben, dass sich die Animation auf ihn zu bewegt.
  • Animationen, die ein Ende haben, sind besser als solche, die in einer Endlosschleife laufen.

Natürlich gibt es auch sinnvolle Anwendungen, die eine Animation rechtfertigen. Komplexe Handlungsabläufe können so mediengerecht durch eine Animation erklärt werden. Auf der Seite Wetter.de können z.B. Satellitenfilme angeschaut werden und somit die Wetterentwicklung beobachtet werden. Ein weiteres Beispiel zeigt die Seite Mydailyyoga.com, auf dem Yoga-Übungen vorgeführt werden. Bei Intervoice.de werden Übungen zur Stimmtherapie vorgestellt.

Das bereits oben erwähnte Flash-Format bietet eine weitere Möglichkeit Animationen darzustellen. Allerdings wird diese Technik vor allem von den Usability-Experten als bloße Spielerei abgetan und vermindert grundsätzlich die Usability einer Website.

Jakob Nielsen sagt eindeutig “Flash: 99% bad”. Dafür nennt er drei Hauptgründe: Erstens würde Flash das Design in den Vordergrund stellen und den falschen Gebrauch von Design ermutigen. Dies zeigt sich z.B. in den neu kreierten Scrollbalken, wie man sie oft auf Flash-Seiten sieht. Typische, vor die Homepage gestellte Flash-Intros findet man immer wieder, sind allerdings im Laufe der Zeit auf ernstzunehmenden Seiten wieder entfernt worden.

Auch wenn diese Intros einen sogenannten Skip-Intro Button aufweisen, halten sie den Besucher vom eigentlichen Inhalt ab. Zudem ist es fraglich, ob im deutschsprachigen Gebrauch dieser Ausdruck verstanden wird. Selten findet man eine ins deutsche übersetzte Alternative. Eine repräsentative Studie der Münchener Medienagentur Die Argonauten zum Thema Navigations-Wording zeigt, dass 38 % diesen Ausdruck nicht oder falsch verstehen. 98% der Nutzer, die viel Interneterfahrung haben, verstehen diesen Begriff, aber lediglich 39% der Internetneulinge.

Die Autoren empfehlen letztendlich den Begriff nicht zu verwenden und diesen stattdessen durch eine verständlichere Variante wie “Intro überspringen” oder Ähnliches zu ersetzen.
Zweiter Grund für die Ablehnung von Flash ist, dass gewohnte Interaktionselemente des WWW nicht mehr funktionieren. So funktioniert der Back-Button des Browsers innerhalb der Flash-Seite nicht mehr, die Linkfarben sind außer Kraft gesetzt, die
Funktion den Text kleiner/größer stellen zu können ist deaktiviert und eine Suche-Funktion ist kaum möglich.
Der dritte Grund besteht darin, dass Flash vom eigentlichen Inhalt der Website ablenkt und ungenügend auf den Nutzen der User angepasst ist. Oftmals wurde der Inhalt einmal erstellt und dann niemals aktualisiert. Außerdem sei dieser oberflächlich und nie mit einem Gedanken an Usability entworfen worden.

Dagegen gehen Befürworter der Flashtechnik davon aus, dass Flash sogar die Usability einer Seite verbessern kann. Schlechte Navigation und langsame Downloads sind schließlich nicht nur Probleme von Flash, sondern generelle Probleme des Internets. Außerdem ist nicht die Technik Flash an sich schlecht, sondern die Designer wären verantwortlich für fehlende Usability.

Mittlerweile findet man einige Guidelines für bessere Flashseiten im WWW. Hier wird bspw. die Verwendung von Splash-Screens empfohlen, also einer Ankündigung, dass es sich hier um Flash-Seiten handelt (für die man das geeignete Plug-In braucht). Ebenfalls sollte immer ein Preloader benutzt werden, der den Fortschritt der übertragenden Datenmenge anzeigt. Die Intros sollten nicht zu lang sein und immer einen Skip-Button enthalten. So können Wiederholungsbesucher das Intro überspringen.

Doch man darf gespannt sein, ob Flash auch in Sachen Usability Fortschritte machen wird: Im Juni 2002 erfolgt die Meldung, dass Nielsen von Macromedia, den Programmierern der Software Flash, angeheuert wurde, um Richtlinien zur Verwendung von Flash zu erarbeiten.
Ebenfalls sind in der neuen 2002er Version Flash MX Features integriert, die das Browserinterface, wie z.B. den Back-Button, unterstützen.

Eng verwandt mit Animationen sind Audio- und Videofiles, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll.

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