6.1 Die Homepage
“The home page is the flagship of the site and should therefore be designed differently from the remaining pages.”
Jakob Nielsen
Aus diesem Grund soll auf die erste Seite eines jeden Internetauftritts – die Homepage – näher eingegangen werden. Dieser Seite kommt eine ganz besondere Rolle zu.
Oftmals wird von der Homepage geredet, wenn der gesamte Internetauftritt gemeint ist. In den folgenden Ausführungen soll unter der Homepage nur die Startseite verstanden werden. Also die erste Seite, die bei Eingabe der entsprechenden URL im Browser erscheint.
Im obigen Zitat ist die Rede davon, dass die verbleibenden Seiten, also die inneren Seiten einer Präsenz, anders gestaltet sein sollten wie die Homepage. Natürlich sollten alle Seiten dem gleichen Style und Grundaufbau folgen, allerdings ergeben sich einige kleine Unterschiede. So sollte auf jeder Unterseite ein deutlicher Link auf die Homepage vorhanden sein. Doch wenn der User denkt, er befindet sich auf der Homepage und findet einen “Home”-Button, so wird er verwirrt sein. Also sollte auf der Homepage auch kein “Home”-Button vorhanden sein. Dies ist eigentlich selbstverständlich, wird aber immer wieder unterschätzt.
Dabei entstehen zwei Fragen: 1) Wie soll der Link oder Button auf den unteren Seiten betitelt werden und 2) an welcher Stelle sollte dieser Link stehen.
Die Münchener Agentur “Die Argonauten” befragten in der bereits oben erwähnten Umfrage (zum Thema Animation, Kap. 5.6.) zum Navigationswording Nutzer, wie dieser Link betitelt sein sollten. 50 % der Befragten urteilten, dass die erste Seite “Startseite” heißen sollte, gefolgt von “Homepage” (26%) und “Home” (17%). Andere Alternativen wie “Start”, “Frontpage”, “Heimseite” wurden nur selten genannt.
Eingebürgert hat sich mittlerweile das Firmenlogo als alleiniger Link zur Homepage. Usability Tests haben ergeben, dass aber nur die Hälfte der Nutzer diese Konvention kennen. Deshalb sollte zusätzlich ein Textlink vorhanden sein.
Weitere Aufgaben des Logos des Unternehmens liegen in der eindeutigen Identifikation sowie in der Vermittlung des Zweckes der Seite. User kommen oftmals von einem Suchmaschinenergebnis auf die Seite und verlieren somit schnell den Überblick. Doch User möchten sofort wissen, auf welchen Seiten sie sich befinden und welche Möglichkeiten ihnen offen stehen. Dies ist die wichtigste Funktion einer Startseite. Zur weiteren Kenntlichmachung sollte das Logo auf der Homepage größer als auf den anderen Seiten erscheinen.
Der Zweck der Seite kann durch eine kurze Zusammenfassung oder einen einprägsamen Satz oder Spruch erfolgen. Folgende Abbildungen zeigen einige gelungene bzw. weniger gelungene Beispiele.

Abbildung 30: Diverse Logos von Unternehmen auf Webseiten. [AM 18]
Während bekannte Anbieter wie Amazon.de keine weitere Unterschrift benötigen, benutzen andere Unternehmen Werbefloskeln zur Seitenidentifikation. So z.B. Wetter.de mit einem plakativem Himmel und General Electric (unten links). Solche Marketing gesteuerten Unterschriften verwirren den Benutzer allerdings und führen schlimmstenfalls zur Unglaubwürdigkeit.
Gute aussagekräftige Untertitel findet man bei ebay (”Der weltweite Online-Marktplatz”), Cnet.com (”The source for computing and technology”), global sources (”Product and trade information for volume buyers”) und expedia.de (”Das große Online-Reisebüro”). Dies sind gute und direkte Zusammenfassungen und beschreiben passend was den Nutzer erwartet.
Andere Unterschriften hingegen wie “What you need to know About” scheinen kurz und flüssig zu sein, sagen allerdings nichts über den Zweck der Seite aus.
Jakob Nielsen empfiehlt in seiner Veröffentlichung “50 Homepages deconstructed” das Logo in die linke obere Ecke zu platzieren, damit es bei jeder Fenstergrößen gesehen werden kann. Nur knapp 16 % der getesteten Seiten platzieren das Logo an einer anderen Stelle.
Des Weiteren soll der Zweck und die angebotenen Möglichkeiten durch den Content auf der Homepage klar gestellt werden. Da es sich um die meistbesuchte Seite des Projekts handelt, sollten die Hauptfeatures, Nachrichten und Hauptkategorien deutlich erkennbar und möglichst schnell erreichbar sein. Dabei bietet es sich an, den Content durch Beispiele aufzuzeigen. Dies hilft dem Leser sofort sich in das Thema hineinzufinden und die Tiefe und die Qualität des Contents einzuschätzen. Dabei hilft beim Schreiben bspw. die Methode der inversen Pyramide.
Die meisten Besucher kommen auf die Seite, um etwas zu suchen oder zu erledigen. Eine Reiseseite wie expedia.de verkauft Reisen und Flüge. Deshalb ist die Suchfunktion deutlich im Mittelpunkt der Seite anzusiedeln. Folgende Abbildung auf der nächsten Seite zeigt links die komplette Übersicht über die Homepage und rechts zwei Bildschirmausschnitte bei einer Auflösung von 800×600 Pixel.
Deutlich erkennbar unter der horizontalen Primärnavigation findet man die Suchfunktion, in die man Abflug- und Ankunftsort sowie das Datum eingibt. Bei einer Bildschirmauflösung von 800×600 Pixel findet man diese Suchmaske über der Falzmarke, der User sieht also auf den ersten Blick das Hauptfeature. Darunter findet man ausgewählte bebilderte Angebote (also Beispiele des Inhalts) und links davon die Sekundärnavigation. Die rechte Spalte zeigt weitere ausgewählte Angebote ohne Beschreibung mit Preisangaben.
Der User wird nur mit dem Nötigsten konfrontiert und findet auf den ersten Blick das Hauptfeature, nämlich die Auswahlmöglichkeit einer Reise.

Abbildung 31: Die Reiseseite expedia.de stellt die Suchfunktion in den Mittelpunkt. [AM 21]
Diese Homepage hat eine Gesamtgröße von 795 x 1014 Pixel, was bedeutet, dass maximal ein Bildschirm bis nach unten ans Ende gescrollt werden muss um den gesamten Inhalt zu erfassen. Jakob Nielsen hat in seiner oben genannten Inspektion von 50 Homepages eine Spannweite von 634 Pixel bis 1334 Pixel Länge ausgemacht und empfiehlt maximal eine Länge von 2 Bildschirmgrößen zu verwenden. Ansonsten empfindet der User eine Unübersichtlichkeit und ist unfähig die Hauptfeatures zu identifizieren.
Bei einem hierarchischen Aufbau sind alle Websites um die Homepage angeordnet, die als logisches Entree zu den einzelnen Webseiten fungiert. Somit sollte die Seite einen Linkbereich zu allen übergeordneten Bereiche haben, der gut erkennbar für den User ist. Im obigen Beispiel stellen horizontal angeordnete Registerkarten die Links zu den anderen Hauptmenüs dar. Weitere Ausführungen sollen im nächsten Abschnitt “Navigation” erfolgen.
Letztlich soll noch kurz von Splashscreens die Rede sein. Dies sind inhaltslose Startseiten mit Willkommensmeldungen, Logos oder speziellen Effekten wie Flash-Intros. Solche Bildschirme zwingen den Nutzer zu einem überflüssigen Mausklick, um zur eigentlichen Homepage zu gelangen. Abhängig von der Leserschaft können solche Bildschirme den Nutzer verärgern: Sind es vor allem Stammnutzer wie auf Suchmaschinen oder Veranstaltungskalender zu erwarten sind, sind solche Splash-screens zu vermeiden. Folgende Abbildung zeigt die Startseite der Online-Fernsehzeitschrift TvMovie. Bis auf den Hinweis einer Software findet der User nichts bemerkenswertes. Wenn man öfters wiederkommt, um sich über das Fernsehprogramm zu informieren, scheint dieser Bildschirm äußerst unangebracht.

Abbildung 32: Der Splashscreen von TVMovie.de. [AM 22]