6.2.2 Design von Navigationssystemen
Die erste Frage stellt sich bei der Positionierung der Navigationselemente. Wie schon im Kap. 4.1 Seitenlayout dargelegt worden ist, hat sich die Konvention durchgesetzt, die globale Navigation links oder oben auf der Seite zu platzieren. Umso bekannter die Struktur ist, umso besser wird sich der Besucher auf der Seite zurechtfinden.
Weitere Konventionen haben sich bei der Platzierung des Logos in der linken oberen Ecke ergeben und unterstützen somit die Frage, wo man sich befindet.
Dem Besucher sollte des weiteren klar sein, auf welcher einzelnen Seite er sich befindet. Dazu haben sich sogenannte “You are here” Indikatoren durchgesetzt. Dies kann einerseits durch eine Überschrift über dem Inhalt erfolgen, andererseits durch eine Markierung in der Navigation, bspw. einem Dreieck vor dem Rubrikeintrag. Bei größeren Seiten bietet sich eine Brotkrümel-Hilfe an (engl. breadcrumbs), die genau den Pfad zur Homepage anzeigt. Voraussetzung zur Anwendung ist eine hierarchische Struktur. Breadcrumbs bieten mehrere Vorteile: sie sind selbsterklärend, nehmen wenig Platz in Anspruch und helfen zur Homepage oder zu einer übergeordneten Rubrik zu springen.
Doch hier ist auf einige Fallstricke zu achten: Der Pfad sollte ganz oben auf der Seite stehen und die Trennung zwischen den Seiten bzw. Rubriken sollte durch Sonderzeichen wie z.B. “>” visualisiert sein. Das größer-Zeichen “>” eignet sich dafür am besten, da es den dynamischen Fortschritt in der Hierachie unterstützt. Weiterhin sollte explizit vor dem Pfad “Sie sind hier” oder “You are here” stehen, um den Zweck der Anzeige zu unterstützen. Einige Beispiele zeigen folgende Abbildungen.

Abbildung 36: verschiedene Pfadanalysen [AM 24]
Die nächste Entscheidung stellt sich beim Layouten der Navigationslinks. Dies betrifft die dritte Frage der Einleitung: “Wie kann ich dorthin kommen?”.
Sollen text- oder grafikbasierte Links angeboten werden? Dies mag freilich eine Geschmacksfrage sein, doch Verfechter des guten Designs werden meist auf Grafiken zurückgreifen. Dem visuellen und ästhetischen Vorteil stehen längere Ladezeiten gegenüber. Während schlichte Textmenüs rasch geladen sind, dauert, je nach Übertragungsgeschwindigkeit, eine grafikbasierte Navigationsleiste einige Zeit länger. Vor allem dann, wenn sogenannte Mouseover benutzt werden, d.h. jede Grafik wird quasi zweimal geladen. Dies verdeutlicht wiederum die Bedeutung der Kenntniss der Zielgruppe zu kennen.
Bei näherem Hinsehen aber bieten Textlinks große Vorteile gegenüber grafischen Buttons. Der Schlüsselpunkt liegt hier in der Frage “Wie kann ich dahin zurück gehen, wo ich herkomme?”. Wenn ein Link angeklickt worden ist, ändert sich automatisch die Farbe. Standardmäßig sind Textlinks unterstrichene blaue Wörter, besuchte Links dagegen lila. Somit weiß der Besucher sofort, welche Seiten er schon besuchte und welche noch unbekannt sind. Diese standardmäßigen Farben sollten nicht geändert werden, denn ansonsten sind die Bedeutungen der einzelnen Farben nicht mehr eindeutig und es kann passieren, dass der User genau auf die Links klickt, bei denen er schon war.
Diese Farbveränderung wird durch den Browser verursacht, der noch weitere Unterstützung liefert, die allerdings nicht immer ausreicht. So kommt man nach dem Klick auf den Zurückbutton zur vorherigen Seite, während die Verlaufsanzeige es ermöglicht kürzlich aufgerufene Webseiten wiederzufinden. Dies scheint aber im Moment des Surfens unakzeptabel und zeitraubend zu sein.
Selbstverständlich gibt es vielerlei Möglichkeiten, Navigationssysteme zu designen, von denen hier nur zwei kurz angesprochen werden sollen.
Oftmals sieht man sogenannte Tabs, also Register- oder Karteikartensysteme, von denen Amazon wohl eines der bekanntesten Beispiele ist. Tabs sind einige der wenigen physischen Metapher, die tatsächlich im Netz angenommen wurden. Außerdem sind sie selbsterklärend und fallen mehr auf als herkömmliche Buttons.
Dieses erfolgreiche Navigationskonzept findet sich bei vielen Nachahmern, so dass sogar von einer “Amazonisierung” des Webs gesprochen werden kann.
Ebenso oft findet man Ausklappmenüs, die mit Hilfe von Dropdown-Menüs, Flash, Java, Javascipt oder anderen Webtechniken realisiert werden. All diese Systeme bieten große Auswahl von Links, haben aber den eklatanten Nachteil, dass nicht alle Möglichkeiten auf einen Blick zu sehen sind. Somit eignen sich diese Systeme am ehesten für Seiten, die meist von erfahrenen Benutzern besucht werden. Auch besteht die Gefahr eines Information Overkills: vor lauter Möglichkeiten weiß der Benutzer nicht, welche Navigation er nun benutzen soll. Die Homepage von T-online ist ein gutes Beispiel dafür. Gleich drei ausklappbare Menüs erwarten den Besucher neben einer langen Navigationsleiste.

Abbildung 37: Die Homepage von T-online. [AM 25]
Obwohl sich somit einige Standards für das Layout von Navigationssystemen durchgesetzt und von den Benutzern angenommen wurden, sollte weiterhin genug Platz für kreative Ideen in der konkreten Ausführung sein. Denn die individuelle Note der Website ist entscheidend für die emotionale Ansprache des Benutzers.