Usability Diplomarbeit

Usability im www. Redesign eines Webauftritts mit Hilfe von Usability Testing



6.2.3 Navigationswording



Das Organisationssystem mit dessen Schemata und Strukturen bestimmt die Frage, wohin der Nutzer auf der Website gehen kann. Klar ersichtlich wird dies im Navigationswording.
Das Navigationswording bestimmt die Bezeichnung von Links, Rubriken und Buttons. Welche Begriffe dabei verwendet werden, ist allerdings meist eine Bauchentscheidung der Verantwortlichen und beruht auf Erfahrungswerte.

Die richtige Bezeichnung des Hypertextes entscheidet darüber, wie schnell der Benutzer auffassen kann, welche Informationen ihn an welcher Stelle innerhalb der Website erwarten. Somit ist eine gut gelungene Auswahl des Wordings sehr erfolgskritisch, da evtl. die gleichen Informationen auf den Konkurrenzseiten leichter zu finden sein könnten. Dies führt zu einer schnellen Abwanderung der Besucher auf andere Seiten.
Probleme gibt es vor allem bei der Verwendung unternehmensinterner Ausdrücke, wie es z.B. im Bankenwesen üblich ist. Dies findet man ebenfalls oft bei der Strukturierung der Site, bei der die Macher sich an den gewöhnten internen Wortgebrauch halten. Doch den Website Betreibern ist dies nur begrenzt vorzuwerfen, denn oft hat schon eine Art Gewöhnung und somit eine Entstehung von blinden Flecken stattgefunden.

Ebenso führen Wortschöpfungen und Kunstworte zu Verwirrung. Im oben genanntem Beispiel des Autokonfigurators von VW (Kap. 5.4.3) ist nicht direkt ersichtlich, was sich hinter diesem Feature verbirgt. Usability Tests haben z.B. ergeben, dass Nutzer sich vorstellen, dahinter verbürge sich eine “automatische Konfiguration des Computers”. Solche Wortschöpfungen mögen den Machern gefallen, fraglich ist jedoch die Gebrauchstauglichkeit solcher Begriffe.

Weitere Verständnisprobleme findet man bei der Verwendung von Anglizismen im Internet, was wieder zum Gedanken des User centered Designs führt. Diese englischsprachigen Ausdrücke stammen meist aus den Anfangszeiten des Internets, sie sind heute allerdings mit anderen Augen zu sehen: Durch die weite Durchdringung des Netzes in der Bevölkerung sind nicht nur junge, gut ausgebildete Menschen Nutzer des Internets, sondern auch zunehmend ältere Personen und solche, die über keine guten Englischkenntnisse verfügen.
Um die Nutzer besser zu verstehen und um auf deren Erfahrungen und Kenntnisse besser eingehen zu können, führte die Münchener Medienagentur Die Argonauten die repräsentative Studie Klartext durch, die aufzeigen sollte, welche Begriffe von welcher Nutzergruppe verstanden werden und welche nicht. Dabei sollten vor allem auf die soziodemografischen Variablen Englischkenntnisse und Interneterfahrung Acht gegeben werden.
In die Untersuchung wurden klassische Streitfälle im Navigationswording einbezogen. Eine Übersicht dieser Wörter und die Verständlichkeit bei den Nutzergruppen nach Interneterfahrung in Prozent zeigt folgende Tabelle:

Abbildung 38: Das Verständnis von Navigationswording in Abhängigkeit der Interneterfahrung.
Quelle: Bopp (2001), Studie Klartext, S. 27.

Das Verständnis der Betitelung von Links hängt somit vor allem vom Ausmaß der Interneterfahrung der Benutzer ab. Bei den Neulingen lassen sich große Defizite feststellen, was das Verständnis dieser Wörter angeht. (Die Klassifizierung der Nutzer in die einzelnen Gruppen erfolgte durch eine Selbsteinschätzung der teilnehmenden Personen).

Ein weiteres, generelles Problem bei der Navigation besteht in der Mehrdeutigkeit vieler Wörter und Ausdrücke. Nicht immer verstehen die Benutzer das gleiche unter einem Wort wie die Macher einer Website. Probleme bereiten vor allem Abstraktionen von Rubrikeinteilungen.

Dies war ebenfalls Bestandteil der Studie Klartext. Es wurde gefragt, welche die wichtigsten Elemente von Standardrubriken sind. Die Funktionen und Inhalte der Site müssen den einzelnen Navigationsrubriken auf optimale Weise, also intuitiv und durch leichtes Auffinden, zugeordnet sein. Vor allem für Anfänger sollten die jeweiligen Angebote durch einen zusätzlichen erklärenden Text zugänglich gemacht werden.
Folgende Tabelle zeigt die Empfehlungen, die auf dieser Studie basieren. Wie zu erkennen ist, kann bei der Auswahl der passenden Begriffe durchaus differenziert werden. Dabei ist auf die Zielgruppe und deren Interneterfahrung zu achten.

Obwohl die Ergebnisse zeigen, dass in Einzelfragen Gruppenunterschiede bestehen, ist ein Prozess der Standardbildung bei Navigationswordings im deutschsprachigen Internet zu beobachten.

Abbildung 39: Empfehlungen zum Navigationswording
Quelle: Bopp (2001), Studie Klartext, S. 61.

Die Begriffe Guided Tour und Skip Intro sollten nicht verwendet werden, sondern durch deutschsprachige Alternativen ersetzt werden. Dagegen werden einige englische Navigationsbegriffe auch von Internetneulingen akzeptiert und verstanden, darunter Login/Logout, Newsletter, Download und Chat. Diese Webfachausdrücke haben zudem den Vorteil, dass sie eindeutig mit dem Internet assoziiert werden.
Insgesamt bleibt anzuraten, den richtigen Mix aus deutsch- und englischsprachigen Begriffen zu finden und somit die Zielgruppe bestens zu unterstützen.



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