7.4.1.2 Cognitive Walkthrough
Der Cognitive Walkthrough (im folgenden CW) ist eine Usability Inspection Methode, bei dem ein Gutachter einen simulierten Weg eines Benutzers durch eine Benutzerschnittstelle durchläuft.
Der CW soll korrekte Handlungsabläufe analysieren und fragen, ob dieser Ablauf tatsächlich von den Benutzern gefolgt wird. Im Unterschied zu den meisten anderen Methoden konzentriert sich der CW nicht direkt auf das Interface, sondern eher auf die mentalen Prozesse eines möglichen Users. Angenommen wird hier, dass ein erfolgreiches Produkt mit den mentalen Fähigkeiten eines Benutzers übereinstimmen muss.
Betont wird bei dieser Methode vor allem der Aspekt der leichten Erlernbarkeit eines Produktes. Durch den Vorgang der Exploration soll eine Erleichterung des Lernprozesses unterstellt werden. Deshalb liegt ein Schwerpunkt der Analyse bei der Frage, in welchem Ausmaß ein Produkt explorierendes Lernen unterstützt.
Die Durchführung des CW besteht meist aus vier Schritten:
Erstens sollte die Definition des Inputs erfolgen. Dies umfasst Vorarbeiten und Vorüberlegungen zu den Benutzercharakteristiken (Wer wird das System benutzen?), den Beispielaufgaben, den Handlungssequenzen (Welche Folge von Aktionen ist für jede Aufgabe auszuführen?) und einer Beschreibung des Interfaces.
Im zweiten Schritt beginnt der eigentliche CW. Der Prüfer arbeitet sich durch die einzelnen Handlungsschritte des korrekten Lösungsweges. Aus diesen Überlegungen soll geschlossen werden, ob der Benutzer das Aufgabenszenario korrekt bearbeiten kann.
Der dritte Schritt besteht in der Protokollierung von kritischen Informationen. Im letzten Schritt sollte dann eine Revision des Interfaces stattfinden um Lösungsalternativen für die aufgetretenen Probleme zu finden.
Zweck des CW ist es, dem Designer zu vermitteln wo und warum das Design Schwierigkeiten bereiten wird. Die Ergebnisse sollen dazu dienen, durch Produktänderungen gezielt auf die erkannten Schwachstellen einzuwirken.
Im Gegensatz zum Usability Testing benötigt man bei dieser Methode keinen fertigen Prototyp, sondern sie kann in einer sehr frühen Produktphase angewendet werden. Allerdings werden beim CW weniger Probleme identifiziert als beim Testing, was die Entwickler des CW dem komplexen Zusammenspiel von Design, Benutzerwissen, Aufgabendetails und Zufallseinflüssen zuschreiben.
Nun sollen die wichtigsten Methoden des Usability Testing, allen voran die Thinking Aloud Methode, erläutert werden.