7.4.2.1 Thinking Aloud Methode (TAM)
Ursprünglich kommt diese Methode aus der traditionellen psychologischen Forschung und wird zunehmend zur Evaluation von Benutzer-Interfaces verwendet.
Die Grundvoraussetzung dieser Aufgabe ist die Testperson zu ermutigen, laut zu denken, während diese eine Testaufgabe durchführt. Sämtliche Gedanken, Eindrücke und Emotionen sollen wiedergegeben werden. Dadurch ist es möglich zu verstehen, wie die Testperson über das Computersystem oder die Webseite denkt. Dies macht die Identifikation der falschen Vorstellungen der User besonders einfach. Der Moderator kann direkte Rückschlüsse ziehen, was und warum an dem jeweiligem Interface die meisten Probleme verursacht. Der Moderator erhält also direkten Zugang zum mentalen Denkmodell des Probanten.
Diese Methode sollte angewendet werden, wenn die Gedankengänge der User besonders wichtig erscheinen. Dabei ist es wichtig die Aussagen nicht einfach hinzunehmen, sondern auch zu beobachten, was die Testperson tut. Dies ist wiederum eine der Stärken dieser Methode: Die User zeigen, was sie am Bildschirm tun, wie sie es tun und sagen warum sie es tun. Falsch wäre es zum Beispiel einer Gruppe von Testpersonen alternative Designvorschläge zu zeigen und dann zu fragen, welches dieser Designs sie vorziehen würden. Wenn die Personen es nicht ausprobieren können, basieren die Aussagen nur auf Oberflächlichkeiten.
Des weiteren ist es möglich, nur mit einer kleinen Anzahl von Testpersonen hochwertige Ergebnisse zu erzielen. Wie im Teil 7.2. angesprochen, reichen fünf bis sechs User aus, die meisten Probleme ausfindig zu machen. Dies liegt hier in der Methode, da die Kommentare der Testpersonen meist lebhafte und explizite Zitate darstellen. Diese Kommentare können genutzt werden, um den Testbericht lesbarer und denkwürdiger zu formulieren.
Allerdings erscheint vielen Personen diese Methode als unnatürlich, da sie während der Bewältigung einer Aufgabe nicht sprechen. Dies macht die Durchführung einer Aufgabe nicht nur schwieriger, sondern kann auch die Testergebnisse verfälschen. Zunächst kann es dazu führen, dass die Personen die Aufgaben langsamer als gewöhnlich erfüllen. Dies kann die Testergebnisse, speziell wenn die Zeiten gemessen werden, weniger repräsentativ erscheinen lassen.
Wichtig allerdings ist hier, dass die Probanten immer wieder vergessen laut zu denken, so dass der Moderator Fragen stellen muss. “Was denken Sie gerade?” oder “Was meinen Sie, bedeutet diese Meldung?” sind solche typischen Erinnerungsfragen.
Deshalb erscheint es nötig, in der Einführung möglichst oft zu erwähnen, dass die Person laut zu denken hat.
Dagegen sollte der Moderator bei Fragen der Testperson wie “Kann ich das oder das machen?” mit einer Gegenfrage in der Form “Was denken Sie, passiert, wenn Sie das oder das machen?” antworten. Falls die Testperson nach einer Aktion nichts sagt, kann der Moderator fragen “War es das, was Sie erwartet haben?”.
Natürlich sollte der Moderator die Testperson nicht beeinflussen, indem er zu etwas eine Frage stellt, was der Benutzer evtl. noch gar nicht bemerkt hat.
Für den Moderator erscheint schwierig, gleichzeitig darauf zu achten was der Proband sagt und was er tut. Zur Dokumentation notiert der Moderator sich die wichtigsten Aussagen und Ereignisse. Zusätzlich kann die gesamte Session mit einer Videokamera aufgenommen werden. Dies ist vor allem nötig, wenn Überredungsarbeit gegenüber den Entwicklern von Nöten ist. Andererseits kann sich der Moderator in Sicherheit wiegen und später kritische Stellen nochmals anschauen.
Jakob Nielsen empfiehlt innerhalb seines Ansatzes Discount Usability Engineering eine vereinfachte Form der TAM.
Im Folgenden soll noch kurz auf weitere Usability-Testing-Methoden eingegangen werden, die ebenfalls mit potentiellen Benutzern zu tun haben.