8.3.2 Content-Design
Da die Adressgewinnung das Hauptziel des Webauftritts für den Auftraggeber ist, sollen die ersten Umsetzungen und Änderungen an diesen Seiten geschehen. Eine Änderung ist unabhängig vom Rest der Seiten möglich, da keine Navigationsleisten oder andere Elemente eingebunden werden.
Nachdem in Abbildung 51 der gesamte Prozess dargestellt wurde, soll nun auf die einzelnen Seiten eingegangen werden. Folgende Abbildungen zeigen den ersten Teil des Prozesses. Links ist die alte Seite zu sehen und rechts die neu gestaltete.
Abbildung 55 : Die alte (links) und die neue (rechts) Adresserfassung.
Im Usability Test wurde die Aufgabe 3 entworfen, um den Ablauf zu testen. Bis auf eine Person kamen alle Testpersonen mit dem Prozess in Kontakt. Dabei stieß ein Teil der Personen schon vor der eigentlichen Aufgabe 3 auf die Abfrage. Insgesamt wurde die Adresserfassung als äußerst negativ empfunden, was dazu führte, dass lediglich zwei Personen das Formular ausfüllten. Einige dachten, es wäre ein Linkfehler aufgetreten oder sie hätten auf einen falschen Link geklickt.
Größtes Manko der alten Seite bestand darin, dass dem Nutzer nicht klar war, wozu diese Abfrage nach einem Klick auf einen bestimmten Hyperlink erscheint. Die Hälfte der Testpersonen sagte aus, dass man Inhalt erwartete und nicht diese Abfrage. Das führte dazu, dass einige Personen den Zurück-Button des Browsers betätigte und wieder zurück zum Ursprungsort sprangen. Der andere Teil der Benutzer probierte aus, wie es weitergehen würde und beantwortete wahrheitsgemäß mit “Ja, wir haben einen Betriebsrat.”. Daraufhin wurden diese Personen zur Formulareingabe weitergeleitet.
Auf der neu gestalteten Seite sollte also ein Hinweis erfolgen, dass nach Beantwortung der gestellten Frage eine Weiterleitung zum Inhalt erfolgt. Somit wurde die erste Zeile “Es geht sofort weiter zum Download des Programms bzw. des gewünschten Inhalts” eingefügt um dem Besucher zu signalisieren, das der Inhalt folgt. (Nr.1 in der Abbildung oben).
Die nächste Seite mit dem eigentlichen Adresserfassungsformular zeigt folgende Abbildung. Links steht wieder das alte, rechts das überarbeitete Formular.
Abbildung 56: Das alte (links) und das neue (rechts) Adresserfassungsformular.
Auf die neue Seite wurde ebenfalls der Hinweis gesetzt, dass der gewünschte Inhalt nach dieser Seite folgt (Nr.2).
Weiteres Problem bestand darin, dass den Besuchern nicht klar war, wozu die übermittelten Daten verwendet werden. Somit wurde ein Hinweis eingefügt, dass die Daten nur für interne Zwecke zur Verbesserung des Webauftritts benötigt werden. Außerdem wurde ein Datenschutzhinweis erarbeitet, der über einen Link in einem neuen Fenster angezeigt werden kann (Nr.3). Ein Abdruck dieses Dokuments findet sich in Anhang 8.
Beide Seiten wurden somit auch formal komplett überarbeitet. Es wurde eine Bildschirmgerechte Schriftart gewählt und der Seitenaufbau zur besseren Übersicht neu strukturiert. Durch Optimierung des Quellcodes und der Grafiken schrumpfte die Dateigröße von 20,5 KB für die erste Seite bzw. 10,27 KB für das Formular auf 6,3 KB und 8,34 KB.
Die interaktiven Elemente wurden ebenfalls überarbeitet. Die Radiobuttons auf der ersten Seite wurden durch normale Links ausgetauscht (Nr.4). Auf der Formularseite wurden die Texteingabefelder neu angeordnet und die Mussfelder mit einem roten Stern gekennzeichnet (Nr.5). Solche Details fielen lediglich der Person auf, die sich im Fragebogen als routinierter Benutzer einschätzte. Da die Markierung der Mussfelder aber ebenfalls als Standard anzusehen ist, sollen auch solche Änderungen vorgenommen werden.
Des weiteren war auffällig, dass einige Testpersonen mehrmals auf das Formular trafen und somit zusätzlich verärgert wurden. Daraufhin wurde auf die erste Seite neben den Antwortmöglichkeiten Ja/Nein eine dritte Auswahl hinzugefügt, falls der Besucher schon einmal da war und erfasst wurde (Nr. 6).
Eine weitreichendere Änderung allerdings wurde mit Hilfe eines Cookie-System vorgenommen, was schon auf einer Tochterseite längere Zeit ausprobiert wurde. Der ersten Seite wurde eine Cookieabfrage vorangestellt. Falls der Besucher noch nicht das Webprojekt besucht hat, wird ein Cookie gesetzt und zur ersten Seite des Abfrageprozesses weitergeleitet. Kommt der Nutzer das zweite Mal auf die Cookieabfrage-Seite, so wird dieser sofort zum eigentlichen Inhalt weitergeleitet und wird somit nicht mehr mit der Adressabfrage konfrontiert. Zur Verwendung von diesen Cookies wurde in der Datenschutzbestimmung hingewiesen (siehe Anhang 8).
Nachdem diese neuen Seiten ins Netz gestellt wurden, soll erneut das Aufkommen der Emails protokolliert werden. Diese Daten finden sich im Anhang 3.2.
Die erste Emailauswertung über einen Zeitraum von 5 Tagen fand vor dem Redesign der Adresserfassung statt. Die Stichprobe umfasste ein Aufkommen von insgesamt 356 Emails. Dabei waren 196 vollständige Adressabfragen, was 54 % auswertbare Emails entspricht. 26 % entfielen auf Nonsens-Daten und 12 % wurden doppelt abgeschickt.
Nach dem Redesign wurde wiederum eine Emailerfassung durchgeführt mit eindeutig verbesserten Ergebnisse. 70 % der übermittelten Daten waren vollständig ausgefüllt, 19 % waren Nonsense-Daten und lediglich 7% wurden doppelt ausgefüllt.
Laut den Webserverlogfiles war das Trafficaufkommen in den Vergleichszeiträumen nicht besonders unterschiedlich, wenn man von einem stetig linearen Anstieg im Lauf der Zeit absieht.
Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Adresserfassung bei den Besuchern positiver aufgenommen wird und diese mit den Formularen besser zurechtkommen. Weiter kann daraus geschlossen werden, dass die Besucher eher bereit sind, ihre Daten zu übermitteln als vor dem Redesign.
Der nächste Punkt soll die mediengerechte Aufbereitung des Contents aufgreifen. Die User hatten in den Tests keinerlei Probleme mit der Sprache, was darauf hinweist, dass die Texte leicht und verständlich geschrieben sind. Dennoch wurden nun einige Änderungen am Inhalt vorgenommen. Der Text wurde im allgemeinen gekürzt und vorhandene Marketing-Sprüche eliminiert. Die Headlines wurden meist beibehalten und durch kurze Zusammenfassungen des Textes ergänzt.
Ein spezielles Problem bestand darin, dass viele Seiten zu lang waren und es somit nötig war, weit vertikal zu scrollen. Folgende Abbildungen zeigt links eine alte Informationsseite mit grundlegenden Begriffserklärungen. Obwohl die Struktur der Texte durch Zwischenüberschriften gut zum Vorschein kam, verlor der Besucher die Übersicht oder sagte aus, dass die Texte zu langweilig gestaltet sind.
Der Inhalt dieser langen Seite wurde in fünf kurze Seiten gesplittet und zusätzlich eine Übersichtsseite mit dem Slogan “Crashkurs: Das wichtigste über den Betriebsrat” vorangestellt (rechter oberer Screenshot in der Abbildung). Von dieser Seite ist es möglich, direkt zu den einzelnen Themen zu springen oder linear von einem Teil zum nächsten zu hüpfen. Dies geschieht über einen Link am Ende jeder Seite mit beispielsweise folgendem Aussehen:
“Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Teil 1: Die Aufgaben des Betriebsrats”
Dies soll den Besucher animieren, weiter zu lesen und sofort zu wissen, was ihn auf der nächsten Seite erwartet.
Abbildung 57: Links die alte Seite, oben rechts die Übersichtsseite und darunter die lineare Abfolge der neuen aufgeteilten Seiten.
Der Besucher muss hier unter Umständen längere Ladezeiten in Kauf nehmen und öfters klicken, kann aber leichter auswählen, welcher Inhalt ihn am meisten interessiert und somit gezielt die einzelnen Seiten anwählen. Auch muss nur wenig vertikal gescrollt werden.
Der nächste Punkt soll die Bewerbung der Fortbildungsseminare behandeln.
Schon längere Zeit wurde die Datenbank mit allen Seminarthemen und -terminen auf eine andere Webseite ausgegliedert. Somit sollten auf betriebsrat.com nur Sprungstellen zu den tieferen Seiten des anderen Webauftritts und somit zu einzelnen Seminaren entstehen.
Dies soll auf zwei Arten realisiert werden: In der rechten Navigationsleiste finden sich drei Abschnitte, wobei einer die Unterteilung der Seminare für einzelne Gruppen innerhalb der Zielgruppe umfasst. Weiterhin wurde eine Rubrik “Seminare” in die linke Leiste integriert, die lediglich zu einer Übersichtsseite führt. Diese ist auf der nächsten Seite abgedruckt.
Auf dieser Seite kann auf zweierlei Weise ein und dasselbe Seminar erreicht werden. Einmal über die Wahl des Themengebietes, also z.B. EDV-Seminare und einmal über die Stelle im Betriebsrat, also z.B. Betriebsratsvorsitzender oder Neugewählter.
Dies trägt zwar dazu bei, dass einige Links oder Daten redundant sind, lässt dem Besucher aber genügend Spielraum zur Suche oder Stöbern in den Angeboten. Von einigen Testpersonen wurde bemängelt, dass es nicht möglich ist, den Inhalt nicht nach Themenzugehörigkeit zu durchsuchen.
Die letzte Aufgabe innerhalb des Tests behandelte die Kontaktmöglichkeit zum Unternehmen. Es war kein sichtbarer Link zu finden, was durchaus von der Geschäftsführung beabsichtigt war, um sich vor der Flut von Emails zu retten.
Dies verärgerte die Besucher und führte zu einem verminderten Vertrauen und geringerer Glaubwürdigkeit.
Durch neue gesetzliche Vorschriften, wie z.B. das Teledienstgesetz , ist es nun nötig einen sichtbaren Kontakt- bzw. Impressumslink auf jeder Seite anzubieten.
Somit wurde im Kopf ein Link zum Impressum und in der linken Leiste ein Kontakt-Link installiert. Um dennoch die Emails niedrig zu halten, wurde die Emailadresse als Grafik veröffentlicht und lässt sich nicht direkt anklicken. Weiter wurde im gleichen Atemzug ein Hinweis auf Interaktive Elemente wie das Schwarze Brett gesetzt, um sich eventuell Rat bei anderen Betriebsräten einzuholen, falls es sich um allgemeine Probleme handelt. (Also solche Probleme, die sich nicht auf die Fortbildungsseminare beziehen.)
Abbildung 58: Das Angebot der Seminare nach Themen und Gruppen untergliedert.
Die vorangegangenen Screenshots sollten die wichtigsten Änderungen im Content-Bereich aufzeigen.