Usability Diplomarbeit

Usability im www. Redesign eines Webauftritts mit Hilfe von Usability Testing



9.1 Problemanalyse der Methodik



Im Folgenden sollen die wichtigsten Probleme aufgezeigt werden, auf die besonders bei der Durchführung von Usability Tests und der Umsetzung der Ergebnisse geachtet werden sollte.

Usability Tests mit fünf Personen (oder einige mehr) durchzuführen grenzt schon an eine Gratwanderung. Sollen tatsächlich nur diese Ergebnisse herangezogen werden, um daraus Schlüsse auf alle anderen Benutzer zu ziehen?

Ich denke schon, denn nach spätestens 6 Testpersonen konnte ich tatsächlich keine nennenswerten neuen Beobachtungen feststellen, sondern nur noch Bestätigungen für die vorherigen finden.
Schließlich geht es nicht darum Hypothesen zu testen (wie in der quantitativen Marktforschung), sondern viel mehr darum, neue Hypothesen zu finden. Hier heißt dies Probleme zu finden bzw. deren Grund des Auftretens zu erforschen.

Aus der Menge aller festgestellten Probleme müssen dann diejenigen ausgewählt werden, die entweder als schwerwiegend beurteilt werden (Erfahrung, andere Studien, Designrichtlinien, Zielgruppe etc.) oder die z.B. mittels quantitativer Tests weiter überprüft werden.
Gerade bei einer kleinen Grundmenge bedeutet dies, einzelne Aussagen nicht als Änderungskonsequenz zu werten, sondern eher auf einen weiteren Test zu setzen oder den jeweiligen Aspekt nochmals zu hinterfragen.

Hier zeigt sich wiederum, dass User keine Designer sind. Nicht alles was erwünscht ist, sollte auch im Redesign berücksichtigt werden. Usability Tests helfen, Probleme zu identifizieren. Doch die Wichtigkeit, Priorität und Umsetzbarkeiten festzulegen, sind Aufgaben, die nach den Tests nicht von den Usern entschieden werden.

Wenn alle gewünschten Features auf den Seiten eingesetzt werden, muss es im Umkehrschluss ja nicht heißen, dass alle Benutzer befriedigt sind.
Im Rahmen des Redesigns stellte sich für mich beispielsweise die Frage, ob die auf den alten Seiten installierten Dropdown Menüs zur Schnellübersicht auch im Redesign berücksichtigt werden sollten. In den Tests stellte sich heraus, dass die Zielgruppe nichts mit diesen Menüs anfangen konnte. Auch dann, wenn die einzelne Person auf der Suche nach einem bestimmten Inhalt war.

Für eine Implementierung sprach allerdings, dass Versierte oder Stammnutzer diese Menüs durchaus benutzen und nach dem Redesign vermissen könnten. Da dies die Minderheit darstellen sollte, wurde auf eine erneute Integration der Pulldown Menüs verzichtet. Denn dieser zusätzliche Punkt in dem User-Interface stellt eher eine zusätzliche Belastung de Grundgesamtheit der Benutzer dar.
Weiteres Problem sehe ich in der Zusammenstellung und Auswahl der zu vollziehenden Aufgaben. Hier ist ein bestimmtes Fingerspitzengefühl gefordert. Sind diese Aufgaben tatsächlich so gewählt, dass sie einen typischen Besuch auf der Seite charakterisieren? Oder würde der Besucher diese Aufgabe nie und nimmer selbst so vornehmen, wie vom Moderator gestellt?

Somit sollte den Aufgaben genügend Spielraum gegeben werden, damit der Benutzer selbst handeln kann und sich frei auf den Seiten bewegen kann. Die Ergebnisse des Post-Questionnaires von Aufgabe 1.3 zeigen, dass den Testpersonen Aufgaben mit viel Spielraum leichter fallen als solche, bei denen die Phantasie eingeschränkt wird.

Ebenso wie die Aufgabenstellungen beeinflusst die angewendete Methode sicherlich die Ergebnisse. Mit der oben angewendeten Thinking Aloud Methode kamen nicht alle Testpersonen zurecht, so dass es äußerst schwierig war, verbale Gefühlsmitteilungen zu bekommen. Gestik, Mimik und die Verfolgung der Mausaktivitäten halfen jedoch, ein Gesamtbild der Benutzer- und deren Aktivitäten zu formen.
Dabei waren die benutzten Checklisten bei der Durchführung zumindest bei den ersten drei bis vier Tests nützlich, danach hatte sich die gesamte Prozedur eingespielt.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass mir Usability-Tests geholfen haben, mich selbst in den Benutzer hineinzuversetzen und die Webseiten aus einer distanzierteren Sicht zu sehen. Dies bietet enorme Chancen ein benutzerfreundliches Interface zu kreieren. Außerdem habe ich tatsächlich Fehler bzw. Probleme entdeckt, deren Existenz ich nie hätte erahnen können.
Auch war es für mich interessant verschiedene Rollen in einer Person zu vereinigen: Autor, Moderator, Testauswerter und schließlich Durchführender des Redesigns.



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