Unabhängig von der Größe des Monitors kann dieser auf einige wenige Bildschirmauflösungen eingestellt werden. Die überwiegende Anzahl der Anwender benutzen die Auflösungen 640×480 Pixel, 800×600 oder 1024×768. Anfangs optimierte man die meisten Webauftritte auf die Größe 640×480, die Tendenz weist nun allerdings auf die höheren Auflösungen. Folgendes Diagramm bestätigt diese Aussage. Es zeigt Statistiken der Seite ‘thecounter.com’, ein Dienst, der kostenpflichtige Zähler für Homepages anbietet und somit u.a. protokolliert welche Bildschirmgrößen von den Besuchern benutzt wird. Monatlich werden so ca. 4 Mrd. Seitenabrufe protokolliert und ausgewertet.
Demnach nehmen die Auflösungen bis 800×600 ab, während die höheren Auflösungen zunehmen.
Dabei wird die Wichtigkeit der Bildschirmgröße und somit die Optimierung oftmals unterschätzt: Abhängig von der Seitenauflösung wird eine Seite verschieden lang oder breit, was bedeutet, dass der Anwender horizontal oder vertikal scrollen muss um den Inhalt zu erfassen. Ebenfalls können sich Probleme beim Drucken der Seiten ergeben: ist die Tabelle zu breit, wird der rechte Rand abgeschnitten und der Text ist unvollständig.
![Abbildung 11 : Bildschirmauflösungen 2000 bis 2002 [AM 5]](http://www.usability-diplomarbeit.de/wp-content/uploads/2006/11/abb11.jpg)
Abbildung 11 : Bildschirmauflösungen 2000 bis 2002 [AM 5]Quelle: eigene Darstellung, Daten von thecounter.com
Im Yale Style Manual findet man eine fertige Designvorlage mit Empfehlungen welche Ausmaße eine Seite haben sollte. In diesem Kontext ist von sicheren und kritischen Seitendimensionen die Rede. Zum Drucken einer Seite liegt eine Tabellenbreite von 535 Pixeln zu Grunde. Dies ist die maximale Breite, die korrekt auf einer DIN A4 Seite abgedruckt werden kann. Dabei kann von einer sicheren Seitenbreite die Rede sein. Bei einer Auflösungsbreite von 1024 Pixeln ist dies allerdings reine Platzverschwendung. Hier ist es angemessen mit Hilfe von CSS oder SSI eine extra Druckversion, wie man sie mittlerweile oft im Web findet, anzubieten.

Abbildung 12 : Designvorlage Quelle: Yale Style Manual: Lynch, Horton (1997a).
Für eine Anpassung an den Bildschirm empfiehlt es sich grundsätzlich ca. 40 Pixel von der erwarteten Breite abzuziehen, da Platz für das Browserinterface wie z.B. den Scrollbalken vorhanden sein muss. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Textzeilen nicht zu lang werden und somit die Lesbarkeit darunter leidet. Aus der Offline-Welt ist bekannt, dass pro Zeile ca. 30 bis 70 Zeichen am besten gelesen werden können.
Doch auch wenn alle möglichen Bildschirmauflösungen bekannt sind, heißt dies nicht, dass dieser ganze Platz genutzt wird. Denn auch die Größe der Fenster variiert: Ein Anwender bevorzugt den Vollbildmodus, ein anderer surft in einem 600×400 großen Ausschnitt im Web.
Der Designer sollte demnach die Seiten in verschiedenen Bildschirmgrößen testen. Erst hier wird wirklich klar, was die Anwender letztendlich sehen werden.
Gleichzeitig sollte aber nicht auf eine bestimmte Breite optimiert werden und die Anwender gezwungen werden, diese auch zu benutzen. Oftmals sieht man dies auf diversen Homepages wie folgende Abbildung zeigt. Fraglich ist, ob dies die Nutzer respektieren und ihre Auflösung demnach auch passend einstellen.
![Abbildung 13 : Bevormundung der Nutzer bzgl. der Bildschirmgröße [AM 6]](http://www.usability-diplomarbeit.de/wp-content/uploads/2006/11/abb13.jpg)
Abbildung 13 : Bevormundung der Nutzer bzgl. der Bildschirmgröße [AM 6]
Ebenso stellt sich die Frage, wie viele Benutzer überhaupt wissen, auf welche Auflösung ihr Monitor eingestellt ist. Eine Nutzerumfrage im Jahr 1998 hat ergeben, dass 14 % nicht wissen, welche Auflösung benutzt wird.
Offensichtlich kommen auch einige Webdesigner nicht damit zurecht, dass den Nutzern die Freiheit gebührt, selbständig die Größe des Fenster zu bestimmen. So öffnen sich vielfach neue Fenster mit vorgegebener Größe, die nicht veränderbar sind.
Der Webdesigner muss also einen Mittelweg finden um den nötigen Bildschirmplatz bestens auszunutzen. Er sollte demnach für die Allgemeinheit konzipieren, also eher von einer niedrigen Auflösung ausgehen. So ist es ebenfalls denkbar variable Tabellen einzusetzen, die sich an den Bildschirm anpassen. Hier bestehen zwei Möglichkeiten: entweder man setzt einen prozentualen Wert, z.B. 80% Breite vom Bildschirm, oder man setzt z.B. eine Mindestbreite von 640 Pixel und eine Höchstbreite von 900 Pixel.
Denkbar ist auch eine Browserweiche, die anhand von Javascript den Besucher je nach Auflösung auf eine speziell angefertigte Seite weiterleitet. Dies scheint allerdings unangemessen aufgrund des größeren Aufwandes.
Bisher wurde nur auf die Breite eingegangen, wobei auch die Länge einer Seite ein Problem darstellen kann. Wird der Inhalt einer Seite nicht vertikal vollständig angezeigt, erscheint auf der rechten Seite eine Bildlaufleiste, mit dem der User den Inhalt nach unten bewegen kann. Bei einer Zeitung würde man nun von der sogenannten Falzmarke sprechen. Zeitungsredakteure versuchen meist, die wichtigsten Headlines über diese Falzmarke zu positionieren. Im Web ist allerdings nicht vorherzusehen, wo genau diese Falzmarke sich befindet.
Weitläufig ging man bisher davon aus, dass das Scrollen, also das vertikale Bewegen des Bildschirminhalts nicht erwünscht ist. Nielsen führte 1996 dafür an, dass die User noch zu unerfahren sind und somit selten auf den Scrollbalken achteten. Zudem lässt ungeschicktes Positionieren der Designelemente nicht erkennen, dass das Ende der Seite noch nicht erreicht ist. Mittlerweile scheint sich dies zu revidieren und die Abneigung gegen das Scrollen zu fallen.
Dies ist auch Jared Spool aufgefallen, der bei seinen Usabilitytests ausführlich auf dieses Thema eingegangen ist. Demnach verursacht das Scrolling keine größeren Probleme mehr, da User gemerkt haben, dass sie dadurch schneller zu den Informationen gelangen.
In diesem Zusammenhang ergeben sich zwei Möglichkeiten den Inhalt zu präsentieren. Die erste Möglichkeit besteht darin, viele kurze Seiten mit wenig Inhalt zu programmieren. Dies führt zu wenig oder gar keinem Scrollen aber zu vielen Klicks und immer wieder zu einer Wartezeit während des Ladens der Seite.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, wenige aber lange Seiten mit viel Content zu präsentieren. Hier hat der User die Möglichkeit schnell einen Überblick über die Informationen zu gewinnen, anstatt auf vielen kleinen Seiten zu suchen. Somit wird das Ziel schnell erreicht und der User nimmt das Scrollen in Kauf. Dabei sollte beachtet werden, dass sich die wichtigsten Informationen im oberen Abschnitt befinden, da dieser Bildausschnitt am stärksten beachtet wird.
Nachdem ausführlich auf die Seitenstruktur eingegangen worden ist, soll nun das äußere Bild weiter vervollständigt und Farbe ins Spiel gebracht werden.