Der Inhalt der drei Dimensionen Page-, Content- und Site-Design wurde als sogenannte Web-Design Usability Kriterien dargestellt. Diese sollten keinesfalls als unbedingt zu befolgende Regeln, Prinzipien oder Richtlinien gelten, sondern lediglich Empfehlungen darstellen.
Auch sollten sie nur bedingt als vollständig gehalten werden. Bspw. findet der interessierte Leser mittlerweile reihenweise Empfehlungen, wie Flash-Interfaces zu konzipieren sind.
Bei der Umsetzung in die Praxis sollte ein Gespür entwickelt werden, wann von einer Empfehlung abgesehen werden kann oder diese umgeändert oder gar ignoriert werden kann.
Des Weiteren wurde von einigen Konventionen gesprochen, die sich bei der Gestaltung von Webseiten im Laufe der Zeit eingebürgert haben. Diese helfen dem Nutzer beim Aufbau eines mentalen Models der jeweiligen Site. So wissen z.B. ein Großteil der Nutzer, dass Navigationselemente häufig am linken Rand stehen.
Gerade beim Besuch einer neuen Seite findet eine Aktivierung innerer Bilder zum Aufbau von Webseiten statt. Dies führt z.B. dazu, dass der Blick an den linken Seitenrand wandert, da dort die Navigationsleiste erwartet wird.
Allerdings ist hier fraglich, wie weit solche Schemata in den Köpfen der Benutzer ausgebildet sind. Sollten feste Regeln entstehen, so sind erwartungskonforme Webseiten möglich, die sicherlich eine hohe Gebrauchstauglichkeit und Zufriedenheit bieten können.
Im oben beschriebenen Praxisfall sollte aufgrund der unerfahrenen Zielgruppe auf bisher anerkannte Konventionen zurückgegriffen werden. So wurde ein Dreispaltenlayout mit Kopf- und Fußleiste entworfen, um einen möglichst bekannten Seitenaufbau zu gewährleisten. Das Logo findet sich in der linken oberen Seite und führt stets zur Homepage zurück. Die Formatierungen der Links wurden in der standardmäßigen Formatierung belassen. Somit sollte der Nutzer möglichst bekannten Elementeigenschaften entgegenstehen und sich nur an marginale Neuigkeiten gewöhnen müssen.
Doch auch hier sollte nicht vergessen werden, dass Änderungen von Projekt zu Projekt möglich sein sollten. So sind die Anforderungen an die Art und Weise wie der Inhalt aufbereitet wird sicherlich different, wenn man Informationsseiten von reinen Unterhaltungsseiten abgrenzt. Der Seitenaufbau oder die Position der Navigation hingegen wird weitgehend übereinstimmen.
Dem interessierten Leser ist bestimmt aufgefallen, dass der Name Jakob Nielsen in vielerlei Kontexten auftaucht.
Dabei stellt sich automatisch die Frage, ob man ihm tatsächlich stets Glauben zu schenken hat.
So werfen ihm seine Gegner oftmals vor, er habe eine gewisse Unsicherheit in methodischen Vorgehensweisen. Testet er einige US-amerikanische Seiten und zudem eine Handvoll ausländischer, so redet Nielsen von großartigen internationalen Benutzerstudien.
Seinem großem Erfolg ist unter anderem die Tatsache zu zuschreiben, dass er es versteht seine Person und seine Erkenntnisse vielfältig zu verkaufen. Oft wird ihm vorgeworfen, er produziere regelrecht Guidelines mit Do’s and Dont’s.
Kritisch ist ebenfalls anzusehen, dass Nielsen die Angewohnheit hat seine persönliche Meinung als wissenschaftliche Ergebnisse zu benutzen. So sagt er voraus, dass seine e-Commerce Usability Guidelines im Jahr 2017 90 % Übereinstimmung finden, da er davon ausgeht, innerhalb 1,5 Jahre steigt die Usability aller Seiten um 4 %, wenn derzeit 45 % Übereinstimmung herrschen.
Solche Aussagen geben Anlass zu Kritik, zeigen aber auch dessen Vormachtstellung im Gebiet der HCI, da kaum jemand etwas anderes behaupten kann.
Wenn jeder alle Guidelines und Tipps von Nielsen befolgen würde, sähen alle Webseiten gleich aus. The Practice of Simplicity würde regieren: Ohne eine einzige Grafik, einer 12 Pixel Schriftgröße und Texten, die nur aus Überschriften, Unterüberschriften und Aufzählungen bestehen, wäre das Web wohl ein Einheitsraum ohne Höhen und Tiefen. Und es würde keine schrillen Auftritte wie Nike, Coca Cola oder Jägermeister geben.
Bestes Beispiel ist seine eigene Site www.useit.com: Ohne Grafiken und mit außerordentlich großer Schrift findet man einen visuell unattraktiven Auftritt. Doch Nielsen bietet ein riesiges Archiv mit vielfältigen Informationen zum Thema, denn getreu seinem Motto steht der Content im Mittelpunkt.
Im Großen und Ganzen denke ich, dass Nielsen durch sein Wissen und seine Erfahrung dazu beiträgt Benutzerprobleme durch gebrauchstaugliche Interfaces zu reduzieren. Er versucht Anwenderprobleme publik zu machen und gibt brauchbare Lösungsansätze. Somit können viele seiner Guidelines, Tipps und Tricks dem Webdesigner helfen, eine möglichst einfach zu bedienende Website zu gestalten. Auch wenn stets abzuwägen bleibt, was wirklich angewendet werden kann oder nicht, denke ich, bei ihm brauchbare Lösungen finden zu können.