Usability Diplomarbeit

Usability im www. Redesign eines Webauftritts mit Hilfe von Usability Testing

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6.2.2 Design von Navigationssystemen

Erstellt von nils75 am 5. März 2006

Die erste Frage stellt sich bei der Positionierung der Navigationselemente. Wie schon im Kap. 4.1 Seitenlayout dargelegt worden ist, hat sich die Konvention durchgesetzt, die globale Navigation links oder oben auf der Seite zu platzieren. Umso bekannter die Struktur ist, umso besser wird sich der Besucher auf der Seite zurechtfinden.

Weitere Konventionen haben sich bei der Platzierung des Logos in der linken oberen Ecke ergeben und unterstützen somit die Frage, wo man sich befindet.
Dem Besucher sollte des weiteren klar sein, auf welcher einzelnen Seite er sich befindet. Dazu haben sich sogenannte “You are here” Indikatoren durchgesetzt. Dies kann einerseits durch eine Überschrift über dem Inhalt erfolgen, andererseits durch eine Markierung in der Navigation, bspw. einem Dreieck vor dem Rubrikeintrag. Bei größeren Seiten bietet sich eine Brotkrümel-Hilfe an (engl. breadcrumbs), die genau den Pfad zur Homepage anzeigt. Voraussetzung zur Anwendung ist eine hierarchische Struktur. Breadcrumbs bieten mehrere Vorteile: sie sind selbsterklärend, nehmen wenig Platz in Anspruch und helfen zur Homepage oder zu einer übergeordneten Rubrik zu springen.

Doch hier ist auf einige Fallstricke zu achten: Der Pfad sollte ganz oben auf der Seite stehen und die Trennung zwischen den Seiten bzw. Rubriken sollte durch Sonderzeichen wie z.B. “>” visualisiert sein. Das größer-Zeichen “>” eignet sich dafür am besten, da es den dynamischen Fortschritt in der Hierachie unterstützt. Weiterhin sollte explizit vor dem Pfad “Sie sind hier” oder “You are here” stehen, um den Zweck der Anzeige zu unterstützen. Einige Beispiele zeigen folgende Abbildungen.

Abbildung 36: verschiedene Pfadanalysen [AM 24]

Die nächste Entscheidung stellt sich beim Layouten der Navigationslinks. Dies betrifft die dritte Frage der Einleitung: “Wie kann ich dorthin kommen?”.
Sollen text- oder grafikbasierte Links angeboten werden? Dies mag freilich eine Geschmacksfrage sein, doch Verfechter des guten Designs werden meist auf Grafiken zurückgreifen. Dem visuellen und ästhetischen Vorteil stehen längere Ladezeiten gegenüber. Während schlichte Textmenüs rasch geladen sind, dauert, je nach Übertragungsgeschwindigkeit, eine grafikbasierte Navigationsleiste einige Zeit länger. Vor allem dann, wenn sogenannte Mouseover benutzt werden, d.h. jede Grafik wird quasi zweimal geladen. Dies verdeutlicht wiederum die Bedeutung der Kenntniss der Zielgruppe zu kennen.

Bei näherem Hinsehen aber bieten Textlinks große Vorteile gegenüber grafischen Buttons. Der Schlüsselpunkt liegt hier in der Frage “Wie kann ich dahin zurück gehen, wo ich herkomme?”. Wenn ein Link angeklickt worden ist, ändert sich automatisch die Farbe. Standardmäßig sind Textlinks unterstrichene blaue Wörter, besuchte Links dagegen lila. Somit weiß der Besucher sofort, welche Seiten er schon besuchte und welche noch unbekannt sind. Diese standardmäßigen Farben sollten nicht geändert werden, denn ansonsten sind die Bedeutungen der einzelnen Farben nicht mehr eindeutig und es kann passieren, dass der User genau auf die Links klickt, bei denen er schon war.

Diese Farbveränderung wird durch den Browser verursacht, der noch weitere Unterstützung liefert, die allerdings nicht immer ausreicht. So kommt man nach dem Klick auf den Zurückbutton zur vorherigen Seite, während die Verlaufsanzeige es ermöglicht kürzlich aufgerufene Webseiten wiederzufinden. Dies scheint aber im Moment des Surfens unakzeptabel und zeitraubend zu sein.
Selbstverständlich gibt es vielerlei Möglichkeiten, Navigationssysteme zu designen, von denen hier nur zwei kurz angesprochen werden sollen.

Oftmals sieht man sogenannte Tabs, also Register- oder Karteikartensysteme, von denen Amazon wohl eines der bekanntesten Beispiele ist. Tabs sind einige der wenigen physischen Metapher, die tatsächlich im Netz angenommen wurden. Außerdem sind sie selbsterklärend und fallen mehr auf als herkömmliche Buttons.
Dieses erfolgreiche Navigationskonzept findet sich bei vielen Nachahmern, so dass sogar von einer “Amazonisierung” des Webs gesprochen werden kann.

Ebenso oft findet man Ausklappmenüs, die mit Hilfe von Dropdown-Menüs, Flash, Java, Javascipt oder anderen Webtechniken realisiert werden. All diese Systeme bieten große Auswahl von Links, haben aber den eklatanten Nachteil, dass nicht alle Möglichkeiten auf einen Blick zu sehen sind. Somit eignen sich diese Systeme am ehesten für Seiten, die meist von erfahrenen Benutzern besucht werden. Auch besteht die Gefahr eines Information Overkills: vor lauter Möglichkeiten weiß der Benutzer nicht, welche Navigation er nun benutzen soll. Die Homepage von T-online ist ein gutes Beispiel dafür. Gleich drei ausklappbare Menüs erwarten den Besucher neben einer langen Navigationsleiste.

Abbildung 37: Die Homepage von T-online. [AM 25]

Obwohl sich somit einige Standards für das Layout von Navigationssystemen durchgesetzt und von den Benutzern angenommen wurden, sollte weiterhin genug Platz für kreative Ideen in der konkreten Ausführung sein. Denn die individuelle Note der Website ist entscheidend für die emotionale Ansprache des Benutzers.

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6.2.3 Navigationswording

Erstellt von nils75 am 4. März 2006

Das Organisationssystem mit dessen Schemata und Strukturen bestimmt die Frage, wohin der Nutzer auf der Website gehen kann. Klar ersichtlich wird dies im Navigationswording.
Das Navigationswording bestimmt die Bezeichnung von Links, Rubriken und Buttons. Welche Begriffe dabei verwendet werden, ist allerdings meist eine Bauchentscheidung der Verantwortlichen und beruht auf Erfahrungswerte.

Die richtige Bezeichnung des Hypertextes entscheidet darüber, wie schnell der Benutzer auffassen kann, welche Informationen ihn an welcher Stelle innerhalb der Website erwarten. Somit ist eine gut gelungene Auswahl des Wordings sehr erfolgskritisch, da evtl. die gleichen Informationen auf den Konkurrenzseiten leichter zu finden sein könnten. Dies führt zu einer schnellen Abwanderung der Besucher auf andere Seiten.
Probleme gibt es vor allem bei der Verwendung unternehmensinterner Ausdrücke, wie es z.B. im Bankenwesen üblich ist. Dies findet man ebenfalls oft bei der Strukturierung der Site, bei der die Macher sich an den gewöhnten internen Wortgebrauch halten. Doch den Website Betreibern ist dies nur begrenzt vorzuwerfen, denn oft hat schon eine Art Gewöhnung und somit eine Entstehung von blinden Flecken stattgefunden.

Ebenso führen Wortschöpfungen und Kunstworte zu Verwirrung. Im oben genanntem Beispiel des Autokonfigurators von VW (Kap. 5.4.3) ist nicht direkt ersichtlich, was sich hinter diesem Feature verbirgt. Usability Tests haben z.B. ergeben, dass Nutzer sich vorstellen, dahinter verbürge sich eine “automatische Konfiguration des Computers”. Solche Wortschöpfungen mögen den Machern gefallen, fraglich ist jedoch die Gebrauchstauglichkeit solcher Begriffe.

Weitere Verständnisprobleme findet man bei der Verwendung von Anglizismen im Internet, was wieder zum Gedanken des User centered Designs führt. Diese englischsprachigen Ausdrücke stammen meist aus den Anfangszeiten des Internets, sie sind heute allerdings mit anderen Augen zu sehen: Durch die weite Durchdringung des Netzes in der Bevölkerung sind nicht nur junge, gut ausgebildete Menschen Nutzer des Internets, sondern auch zunehmend ältere Personen und solche, die über keine guten Englischkenntnisse verfügen.
Um die Nutzer besser zu verstehen und um auf deren Erfahrungen und Kenntnisse besser eingehen zu können, führte die Münchener Medienagentur Die Argonauten die repräsentative Studie Klartext durch, die aufzeigen sollte, welche Begriffe von welcher Nutzergruppe verstanden werden und welche nicht. Dabei sollten vor allem auf die soziodemografischen Variablen Englischkenntnisse und Interneterfahrung Acht gegeben werden.
In die Untersuchung wurden klassische Streitfälle im Navigationswording einbezogen. Eine Übersicht dieser Wörter und die Verständlichkeit bei den Nutzergruppen nach Interneterfahrung in Prozent zeigt folgende Tabelle:

Abbildung 38: Das Verständnis von Navigationswording in Abhängigkeit der Interneterfahrung.
Quelle: Bopp (2001), Studie Klartext, S. 27.

Das Verständnis der Betitelung von Links hängt somit vor allem vom Ausmaß der Interneterfahrung der Benutzer ab. Bei den Neulingen lassen sich große Defizite feststellen, was das Verständnis dieser Wörter angeht. (Die Klassifizierung der Nutzer in die einzelnen Gruppen erfolgte durch eine Selbsteinschätzung der teilnehmenden Personen).

Ein weiteres, generelles Problem bei der Navigation besteht in der Mehrdeutigkeit vieler Wörter und Ausdrücke. Nicht immer verstehen die Benutzer das gleiche unter einem Wort wie die Macher einer Website. Probleme bereiten vor allem Abstraktionen von Rubrikeinteilungen.

Dies war ebenfalls Bestandteil der Studie Klartext. Es wurde gefragt, welche die wichtigsten Elemente von Standardrubriken sind. Die Funktionen und Inhalte der Site müssen den einzelnen Navigationsrubriken auf optimale Weise, also intuitiv und durch leichtes Auffinden, zugeordnet sein. Vor allem für Anfänger sollten die jeweiligen Angebote durch einen zusätzlichen erklärenden Text zugänglich gemacht werden.
Folgende Tabelle zeigt die Empfehlungen, die auf dieser Studie basieren. Wie zu erkennen ist, kann bei der Auswahl der passenden Begriffe durchaus differenziert werden. Dabei ist auf die Zielgruppe und deren Interneterfahrung zu achten.

Obwohl die Ergebnisse zeigen, dass in Einzelfragen Gruppenunterschiede bestehen, ist ein Prozess der Standardbildung bei Navigationswordings im deutschsprachigen Internet zu beobachten.

Abbildung 39: Empfehlungen zum Navigationswording
Quelle: Bopp (2001), Studie Klartext, S. 61.

Die Begriffe Guided Tour und Skip Intro sollten nicht verwendet werden, sondern durch deutschsprachige Alternativen ersetzt werden. Dagegen werden einige englische Navigationsbegriffe auch von Internetneulingen akzeptiert und verstanden, darunter Login/Logout, Newsletter, Download und Chat. Diese Webfachausdrücke haben zudem den Vorteil, dass sie eindeutig mit dem Internet assoziiert werden.
Insgesamt bleibt anzuraten, den richtigen Mix aus deutsch- und englischsprachigen Begriffen zu finden und somit die Zielgruppe bestens zu unterstützen.

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6.2.4 Alternative Navigationsmittel

Erstellt von nils75 am 2. März 2006

Nachdem die Struktur und die Organisation der einzelnen Seiten festgelegt worden ist, sollte vor allem bei großen Sites mit vielen einzelnen Seiten an alternative Navigationsmittel gedacht werden.
Darunter fallen Suchfunktionen, Indizes, Sitemaps und Pull-Down-Menüs. Diese Shortcuts sollen die Besucher unterstützen, in dem sie ihnen schnelles und leichtes Auffinden von bestimmten Informationen innerhalb des Gesamtangebotes ermöglichen.

Außerdem soll den Lesern ohne großen Aufwand eine klare Vorstellung vom Umfang und der Strukturierung des Angebotes bereitgestellt werden. Dies geschieht am besten durch Sitemaps, die ein exaktes grafisches Abbild der einzelnen Rubriken und deren Verbindung untereinander aufzeigen. Hier ist allerdings auf eine Grafikoptimierung zu achten, damit sich die Ladezeit in Grenzen hält. Alternativ dazu bieten sich textbasierte Indizes an, die ebenfalls kurz, schnell und klar den Aufbau der Site vermitteln soll.

Suchfunktionen sind auf großen Seiten mittlerweile zum Standard geworden und auch für kleine Seiten eine sinnvolle Erweiterung der Navigation. Jakob Nielsen teilt in diesem Zusammenhang die Nutzer in drei verschiedene Typen ein. Der Such dominierte Benutzer betritt eine Seite und steuert sofort die Suchfunktion an. Diese Typen sind Aufgabenorientiert und deshalb kaum interessiert einen Überblick zu gewinnen. Der zweite Typ ist Link orientiert und hangelt sich von Link zu Link durch das Angebot. Der dritte Typ ist letztlich beides zugleich und hat keine bestimmte Präferenzen.

Doch bei der Konstruktion einer Suchmaschine stehen einige Fallstricke im Weg. Die meisten Suchmasken sind aufgrund der vielen Suchoptionen unbrauchbar und liefern zudem ellenlange Ergebnislisten, so dass die Auswahl des richtigen Links letztendlich schwer fällt.

Jedoch kann eine Suchmaschine keine gut strukturierten und navigierbaren Seiten ersetzen. Diese beiden Methoden – sich über Menüs vorzuarbeiten und per Suchbegriff zu suchen – sollten sich optimal ergänzen.
Diese Shortcuts sind exzellente Tools, es mangelt ihnen aber an Flexibilität, so dass sie nicht als stand-alone-Feature nützlich sind.

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6.3 Zusammenfassung: Site-Design & Usability

Erstellt von nils75 am 1. März 2006

Die Homepage sollte dem Besucher einen Überblick über den angebotenen Inhalt der gesamten Site geben und ihn diesen schmackhaft machen.

Schon hier sollte eine gewisse Struktur der Informationen erkennbar sein und dem Nutzer einen Zusammenhang des Inhalts liefern. In der Information Architecture unterteilt man Organisationssysteme von Webseiten in Organisationsschemata und –strukturen. Organisationsschemata sollen den Inhalt in logisch zusammenhängende Teile strukturieren, während Organisationsstrukturen Beziehungen zwischen diesen Teilen herstellen sollen. Die meist verwendete Struktur im Web ist die hierarchische, bei der die inneren Seiten um eine Startseite angeordnet sind.

Beim Navigationswording ist auf eine klare, sinnvolle und einfache Beschriftung von Rubriken, Links und Buttons zu achten. Nur so weiß der Benutzer, was sich hinter den einzelnen Links verbirgt und dass er auch das erhält, was er angefragt hat.

Alternative Navigationsmittel wie Suchfunktionen oder Sitemaps sollen den Besucher bei der Informationssuche unterstützen und somit die Navigationselemente ergänzen.
Was bedeuten nun die Zielgrößen Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit für diese Website-Dimension?
Wie beschrieben wurde, besteht eine Website aus verschiedenen miteinander in Beziehung stehenden Seiten, allen voran der Homepage. Effektiv ist eine gesamte Website dann, wenn die Links zwischen den einzelnen Seiten, aus denen eine Website besteht, vorhanden und erkennbar sind. Dazu gehören nicht nur Links in der Navigation, sondern auch im Bereich des Contents. Durch die Homepage als Eingang in die Website soll ein bestimmter Flow hervorgerufen werden, der die Verfolgung bestimmter Ziele und Zwecke ermöglichen soll. Dieser Flow kann durch entsprechende Gestaltung der Homepage unterstützt werden.
Bezüglich der Effizienz hat der Nutzer bestimmte Erwartungen an die Verlinkung: Navigationshierarchien müssen erkennbar sein, Rückschritte müssen möglich sein und der User muss in jedem Augenblick wissen, wo er sich befindet. Dazu gehört auch ein eindeutiger Homebutton auf jeder einzelnen Seite, der auf die Startseite des Angebots zurückführt.

Zufriedenheit stellt sich beim Nutzer ein, wenn verschiedene Wege und Orientierungsmöglichkeiten angeboten werden. Neben einer übersichtlichen Navigationsleiste machen bspw. eine Sitemap oder eine Volltextsuche einen Auftritt schnell navigierbar.

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Teil II: Praxis, Kap.7 Usability Testing

Erstellt von nils75 am 21. Februar 2006

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7 Usability Testing

Erstellt von nils75 am 19. Februar 2006

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7.1 Ziele und Motivation

Erstellt von nils75 am 18. Februar 2006

Usability Testing mit realen Usern ist die grundlegendste Technik der Usability Evaluation und nur schwer durch andere Methoden ersetzbar. Es bietet Einsicht in die Art und Weise wie Menschen mit Computern arbeiten und welche Probleme mit den zu testenden Weboberflächen auftreten.

Während sich bei der Durchführung eines Usability Tests vielfältige Variationen ergeben können, haben alle Arten von Tests einige Gemeinsamkeiten, die in den Teilen 7.2. und 7.3. näher erläutert werden sollen:

  • Die Teilnehmer repräsentieren wirkliche Benutzer. (Kap.7.2.)
  • Das oberste Ziel ist die Verbesserung der Software/der Webseite. Für jeden Test werden spezifische Ziele und Anliegen festgelegt, die beim Planen des Testes berücksichtigt werden. (Kap 7.3.1.)
  • Die Teilnehmer vollziehen Aufgaben, die möglichst nah am tatsächlichen Verhalten orientiert sind. (Kap 7.3.1.)
  • Der Usability-Experte beobachtet und hält fest, was der Teilnehmer tut und sagt. (Kap 7.3.2.)
  • Der Usability-Experte analysiert die Daten, diagnostiziert die Probleme und spricht Empfehlungen zur Behebung dieser Probleme aus. (Kap 7.3.3.)

Der erste Punkt bezieht sich auf die Testpersonen. Es sollten Personen aus der angestrebten Zielgruppe sein.
Der zweite Punkt zeigt den Unterschied zu anderen Forschungsrichtungen, bei denen das Auftreten eines bestimmten Phänomens untersucht werden soll. Die angesprochenen spezifischen Ziele können z.B. die Fragen enthalten, wie intuitiv die Navigation ist oder ob das Interface sowohl erfahrene als auch unerfahrene Nutzer anspricht.

Drittens sollten die gestellten Aufgaben solche Aufgaben sein, die eine Person zu Hause oder im Büro tatsächlich tun würde. Bei großen Systemen oder Webseiten ergibt sich allerdings das Problem, dass nur bestimmte Bestandteile getestet werden können. Deshalb sollten sich die gestellten Aufgaben an den Zielen des Projekts orientieren.
Die letzten zwei Punkte beziehen sich auf die Durchführenden der Usability-Tests. Deren Aufgaben ist es objektiv festzuhalten was gesagt und getan wird. Daraus werden dann Handlungsempfehlungen zur Problembehebung ausgearbeitet.

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7.2 Rolle der Probanten – Zielgruppe

Erstellt von nils75 am 17. Februar 2006

Auf die Frage, wer die Teilnehmer eines Usability Tests sein sollten, gibt es zwei mögliche Antworten. Jakob Nielsen vertritt die Meinung, dass die Testteilnehmer so repräsentativ wie möglich für die intendierte Zielgruppe sein sollten. So ist eine Zielgruppe zu definieren, die bei umfangreichen Tests auch in Untergruppen eingeteilt werden kann.
Steve Krug dagegen vertritt dagegen eine entgegengesetzte Meinung:

“The best-kept secret of usability testing is the extent to which it doesn’t matter who you test.”
Steve Krug

Seines Erachtens wird viel zu viel Zeit damit verbracht, Testpersonen zu rekrutieren, die die Zielgruppe möglichst genau repräsentieren sollen. Für den Test der meisten Webseiten reicht es aus, Personen zu rekrutieren, die ein Internet-Grundwissen aufweisen können. Wichtigster Grund hierfür ist, dass es keine gute Idee ist, nur für eine bestimmte Gruppe von Benutzern die Seiten zu optimieren. Da die Erfahrungen der Nutzer ständig steigen, entwickeln sich viele Benutzer von Anfängern zu erfahrenen Usern. Dies hat zur Folge, dass die Anforderungen an die Seite sich ständig ändern.
Letztendlich ist es eine Kosten- und Aufwandsfrage, ob die anvisierte Zielgruppe getestet wird oder nicht. Ist eine Feststellung der Demografiedaten problemlos oder besteht durch eine frühere Erhebung ein genaues Bild der Nutzer, so sollte auch mit der Zielgruppe getestet werden. Ist dagegen eine Erhebung schwierig oder zu langwierig, so sollte auf eine genaue Auswahl verzichtet werden.
Die nächste Frage bzgl. der Auswahl der Testpersonen ist, wie viele Personen getestet werden sollten. Dabei ist zu bemerken, dass es sich beim Usability Testing nicht um eine qualitative Methode oder gar eine empirische Umfrage handelt. Das Hauptziel ist, wie oben betont, die schwerwiegendsten Probleme eines Interfaces zu identifizieren.
Verschiedene Quellen (wie Krug (2000) und Dumas (2000)) zitieren eine Studie von Nielsen und Landauer, in der herausgefunden wurde, dass mehr als die Hälfte der Probleme einer Webseite mit drei Testpersonen gefunden werden. Mit nicht mehr als fünf Testpersonen erhält man die besten Ergebnisse.
Dabei gehen Nielsen und Landauer von folgender Formel aus:

N(1-(1-L)n)

N stellt die Gesamtsumme der Probleme dar, n ist die Anzahl der User und L ist die proportionale Anzahl der Probleme, die mit Hilfe einer Person gefunden werden. Der typische Wert für L ist 31%, der als Querschnittswert aus vielen durchgeführten Studien ermittelt worden ist. Mit L gleich 31% ergibt sich folgende Kurve:

Abbildung 40: Die Problemfindungskurve von Nielsen und Landauer.
Quelle: Nielsen, Landauer (2000)

Die erste wichtige Annahme ist, dass null User auch null Probleme finden. D.h. jeder Usability Test ist besser als gar keiner. Sobald man mit der ersten Testperson in Kontakt kommt und Daten sammelt, hat man schon ca. ein Drittel der möglichen Probleme ausfindig gemacht.
Die zweite Person wird die meisten Probleme der ersten Person erkennen. Durch die Unterschiedlichkeit der Personen läßt die zweite Testperson neue Erkenntnisse ermitteln, allerdings nicht so viele neue wie die erste.
Der dritte User wird wieder die meisten Probleme finden, die die zwei vor ihm getesteten fanden, er wird aber auch neue erkennen.
Umso mehr User man testet, umso weniger neue Erkenntnisse wird man finden können. Man wird die gleichen Probleme immer und immer wieder sehen und somit eine Bestätigung der schwerwiegendsten Fehler bekommen.
Nach fünf Testpersonen sollten 85 % der Probleme gefunden sein. 15 Personen decken schließlich alle möglichen Usability-Probleme auf. Trotzdem empfiehlt Nielsen nicht mit 15 Personen zu testen, sondern nur mit fünf und mit Hilfe dieser Ergebnisse den Redesign durchzuführen.
Insgesamt sieht Nielsen den Prozess des Redesigns und der Usability Tests als iterativen Prozess.
Nach einem Test wird das Redesign angeregt, danach wird mit der Neuentwicklung ein zweiter und ein dritter Test mit jeweils 5 Usern durchgeführt. Somit können neu auftauchende sowie die letzten 15 % der nicht gefundenen Probleme erkannt werden.
Ausnahmen von dieser 5-Testpersonen-Regel sollten nur gemacht werden, wenn die Benutzergruppe sehr heterogen ist. So sollte bspw. bei einem Spielzeugshop sowohl mit Kindern als auch mit den Eltern Tests durchgeführt werden. Allerdings sind die Beobachtungen bei zwei solch unterschiedlichen Gruppen sehr ähnlich.
Die Gründe liegen hier in der fundamentalen Art und Weise wie Menschen mit dem Web interagieren.
Nachdem das Problem der “richtigen” Testpersonen angesprochen wurde, soll nun die genaue Planung bzw. der Ablauf von Usability Tests erläutert werden.

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7.3 Phasen eines Tests

Erstellt von nils75 am 16. Februar 2006

Naturgemäß unterscheiden sich verschiedene Untersuchungen hinsichtlich Zweck, Dauer, finanziellem Aufwand, Methode etc. Der Ablauf ist daher von Test zu Test verschieden, allerdings lassen sich Usability Tests grundsätzlich in drei Phasen einteilen:

1. Die Planungsphase legt die Rahmenbedingungen des Tests fest.

2. Die Durchführungsphase besteht aus der eigentlichen Durchführung des Tests.

3. Die Auswertungsphase besteht aus dem Schreiben eines Ergebnisreports.

Nun sollen diese drei Phasen näher beschrieben werden, da im Kapitel 8 ein Usability Test durchgeführt werden soll, der sich an diesem Phasenplan orientiert.

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7.3.1 Planungsphase

Erstellt von nils75 am 15. Februar 2006

Zu Beginn der Planungsphase sollte sich auf ein Testplan geeinigt werden. Ein solcher Testplan muss immer ohne fachliche Vorkenntnisse nachvollziehbar sein. Vor allem für Dritte, die nicht bei der Durchführung involviert waren. Dies macht die Resultate transparent, nachvollziehbar und validierbar.
Der Amerikaner Mark Pearrow teilt seinen comprehensive Testing Plan wiederum in zwölf Schritte ein, die im Folgenden beschrieben werden sollen.

Schritt 1: Einleitung (purpose)
In der Einleitung soll der Grund und das Ziel der Website niedergeschrieben werden. Weitere wichtige Fragen sind: Warum ist die Seite online? Wie sieht die Vision der Website langfristig aus? Warum soll diese Seite getestet werden?
Diese Informationen sind extrem wichtig, da sonst keine Aussage über die Messung der Effektivität gemacht werden kann.
Dieser Abschnitt steuert die restlichen Kapitel des Plans. Gute Vorarbeit ist hier nötig, um nicht in einen willkürlichen Testablauf zu verfallen.

Schritt 2: Problem-Punkte (problem statements)
Im zweiten Schritt wird das eigentlich zu testende Problem definiert und in einem kurzen prägnanten Abschnitt niedergeschrieben. Der Inhalt von Schritt 1 ist sehr abstrakt und auf einer allgemeinen Basis angelegt. Nun sollen dagegen konkrete Probleme angesprochen werden, um den Zweck der Webseite zu festigen.

Schritt 3: Zielgruppen Definition (User profiles)
Hier soll festgelegt werden, wer die Zielgruppe ist bzw. welche Benutzerschicht der Zielgruppe für diesen Test herangezogen und untersucht wird. Dabei ist besonders auf die Repräsentativität der Zielgruppe zu achten. Zielt die Website bspw. auf 18 bis 35 Jährige weibliche Benutzer ab, sollte auch diese Gruppe getestet werden.
In diesem Stadium erscheint eine korrekte Auswahl der Testpersonen als kritisch. Deshalb wird nach dem kompletten Test dieses Kapitel um die demoskopischen Daten der am Test Beteiligten erweitert. Somit wird dieser Abschnitt validiert oder automatisch relativiert.

Schritt 4: Die Methode (Methodology)
Die angewendete Methode ist ausschlaggebend für die Messergebnisse und Daten. In diesem Abschnitt soll beschrieben werden, was im Test durchgeführt wird, wobei auf eine genaue Aufgabenbeschreibung noch verzichtet wird. Vor allem nicht involvierte Personen soll beschrieben werden, auf welche Art und Weise getestet wird.
Im nachfolgenden Kapitel 7.4. soll auf die gängigsten Methoden eingegangen werden.

Schritt 5: Test Umgebung und Ausrüstung (Environment & equipment requirements)
Hier soll eine Darstellung der Testumgebung inklusive einer Auflistung sämtlicher benutzter Hilfsmittel erfolgen. Ebenso sollen besondere Umstände wie z.B. ein tageslichtarmer Raum und störende Geräusche aufgezeigt werden.

Schritt 6: Das Team (Testing crew)
Die ausführenden Beteiligten des Testteams werden mit ihren Rollen aufgeführt. Dies zeigt den Umfang des Testes und die benötigten Ressourcen. Rollen können z.B. sein : Moderator, Videofilmer, Zeitnehmer.

Schritt 7: Definition der Messung (Evaluation Measures)
Hier soll festgehalten werden, nach welchen Kriterien gemessen werden soll. Denkbar sind eine Zeitmessung, die Anzahl der Klicks, ein Verfolgen der Links oder eine allgemeine Aussage, ob die Aufgabe gelöst wurde oder nicht.

Schritt 8: Aufgabenliste (Task List)
In diesem Abschnitt werden die gestellten Aufgaben im Klartext, also so, wie sie den Testpersonen vorgetragen werden, erstellt. Es wird festgehalten warum gerade diese Aufgaben gestellt werden. Ebenso werden die Bedingungen zum Erfolg der Aufgabe definiert.

Auf die Erstellung geeigneter Aufgaben soll nun näher eingegangen werden, da sie sozusagen das Herzstück eines Testes darstellen.
Usability Testing ist ein Auswahlprozess. Dies bedeutet, dass nicht alle möglichen Aufgaben, die ein User auf der Seite vollziehen kann, getestet werden können.

Aufgaben können deshalb aus verschiedenen Gründen ausgewählt werden. Dumas unterscheidet hier drei wichtige Arten von Aufgaben. Erstens können Aufgaben gewählt werden, die mögliche Usability Probleme aufdecken sollen. Je mehr Probleme gefunden werden, desto erfolgreicher ist der Test verlaufen. Daraus entsteht das Hauptziel des Usability Testing: Eine Prozedur zu kreieren, die die schwerwiegendsten Probleme aufdeckt.
Zweitens können Aufgaben gestellt werden, die vermutete Probleme herausstellen können. Designer und Entwickler haben meist ein Gespür oder eine Vorahnung, an welchen Stellen mögliche Probleme auftauchen können.
Die dritte Art von Aufgaben sind solche, die die User tatsächlich auf der Seite erledigen würden, wenn es sich nicht um eine Testsituation handelt. Generell sollten alle Aufgaben so konzipiert sein.
Auch Jakob Nielsen sieht als grundlegende Regel an, dass die Testaufgaben möglichst nahe an dem tatsächlichen Verhalten der User konzipiert werden. Andererseits sollten sich die gewählten Aufgaben aber auch den Zielen der Seite anpassen.

Nachdem die Aufgabenstellungen ausgearbeitet wurden, stellt sich die Frage der Reihenfolge. Dabei sind zwei Dinge zu beachten. Die Aufgaben sollten in der Reihenfolge ablaufen, in der die User sie tatsächlich abwickeln würden. Zum Beispiel würden die Benutzer eines Webshops zuerst nach dem gewünschten Artikel suchen, bevor sie eine Bestellung abschicken.

Letztendlich bleibt die Frage wie die Aufgaben den Testpersonen präsentiert werden sollen. Eine etablierte Form ist die Erstellung von Task Szenarien. Dies sind Situationen, in denen die Aufgaben eingebettet sind und zu einer kurzen Geschichte zusammenschmelzen. Somit kann ein Teil der Künstlichkeit der gestellten Aufgaben verringert werden.
Dabei ist ein gutes Szenario kurz gehalten, in der Sprache der Zielgruppe verfasst und eindeutig formuliert, so dass keine Unklarheiten aufkommen. Außerdem müssen genug Informationen gegeben werden, um die Aufgabe lösen zu können. Es soll allerdings nicht gesagt werden, wie die Aufgaben zu vollenden sind, sondern die Person soll angehalten sein, sich so zu verhalten, als wäre sie in ihrer natürlichen Umgebung. Somit sollte die Aufgaben nicht zu langweilig werden.

Dies waren die ersten acht Schritte nach Pearrows comprehensive Testing Plan. Die letzten vier Schritte werden in 7.3.3. Auswertungsphase angesprochen, da diese Arbeiten der Nachbereitung zuzusprechen sind.
Wie eben gezeigt wurde, ist eine gründliche Vorbereitung äußerst wichtig. Auf was bei der Durchführung der Tests zu achten ist, soll im nächsten Abschnitt gezeigt werden.

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