Usability im World Wide Web

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Dem Internet kommt durch seine rasche Verbreitung für Unternehmen als auch für Privatpersonen eine immer größere Bedeutung zu. Doch wenn von Internet die Rede ist, wird meist das World Wide Web (im folgenden WWW oder Web genannt) gemeint. Dabei ist dies ein spezieller Anwenderdienst, der auf Basis der technischen Infrastruktur Internet ausgeführt wird. Andere Dienste sind bspw. Email, FTP oder Gopher.

Die Funktionsweise des WWW sieht vereinfacht folgendermaßen aus: Ein Server stellt WWW-Seiten als HTML-Dokumente bereit, die ein Client abruft, lädt und diese über eine multimediale Benutzeroberfläche (Browser) angezeigt bekommt.

“The Web is easy: All the users has to do is to click on the blue underlined links. Anybody can figure that out!”.Jakob Nielsen

Durch dieses Zitat wird klar, dass das Web über ein relativ einfaches Benutzerinterface verfügt. Trotzdem entsteht durch die Benutzung und Interaktion zwischen Mensch und Computer die Frage, was eine gebrauchstaugliche Website ausmacht.

Ausgangspunkt für eine Beantwortung dieser Frage können die oben erläuterten klassischen ergonomischen Kriterien sein, die sich in der Normenreihe DIN EN ISO 9241-10 und 11 wiederfinden. Diese bieten einen erprobten Rahmen, der durch Erweiterung und Eingrenzung an die speziellen Anforderungen des Internets angepasst werden können.

Da die Relevanz der Kenngrößen Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit für das WWW schon innerhalb der Definition des Begriffs Usability erläutert wurden, sollen im Folgenden die sieben DIN-Kriterien aus 9241-10 angesprochen und deren Relevanz bzgl. des Webs erläutert werden.

Die Aufgabenangemessenheit muss in Abhängigkeit vom Inhalt des jeweiligen Online-Angebots und dem Ziel des Benutzers neu interpretiert werden.

Folgende Abbildung zeigt ein langes Formular (609 x 5.419 Pixel) eines Versicherungsanbieters zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung. Dieses Formular hat 151 Eingabefelder und soll per Post ausgedruckt und unterschrieben an das Unternehmen gesendet werden. Dies ist ein zu langer Prozess und zu unangemessen für diese Aufgabe.

Formular zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung [AM1]

Abbildung 1: Formular zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung [AM1]

Aufgrund der fehlenden Erfahrungen des Benutzers mit der jeweiligen Webseite und der Anforderung eine möglichst effiziente Nutzung möglich zu machen, kommt der Selbstbeschreibungsfähigkeit eine besondere Rolle zu, wobei sich die Konzepte aus der klassischen Ergonomie im wesentlichen übertragen lassen. Dies trifft ebenfalls auf die Kriterien der Fehlertoleranz und Steuerbarkeit zu.

Besondere Anforderungen können dagegen an die Lernförderlichkeit und die Erwartungskonformität gestellt werden. Hier soll ein schnelles Einarbeiten in die Struktur und das Navigationskonzept unterstützt werden. Dem Transferlernen kann eine wichtige Rolle zugeschrieben werden, obwohl sich aufgrund der dynamischen Entwicklung des WWW’s nur einige wenige Konventionen beim Benutzer durchsetzen. So geht der Benutzer davon aus, dass Verweise auf andere Seiten unterstrichen und vor dem ersten Anklicken eine blaue Farben haben.

Letztlich gilt es die Individualisierbarkeit zu verbessern, um die Präsentation des Contents benutzergesteuert und benutzerabhängig an unterschiedliche Informationsebenen anpassbar zu machen. So sollte es möglich sein, die individuelle Einstellung der Schriftgrößen im Browser anzuerkennen. Amazon.de würdigt dies, wie anhand folgender Abbildung erkennbar ist: Links die Seite mit der Browser-Einstellung “sehr große Schriftart”, rechts dieselbe Seite mit der Einstellung “sehr kleine Schriftart”. Man erkennt deutlich die Unterschiede der sichtbaren Informationen.

Abbildung 2: Amazon.de mit verschiedenen Einstellungen der Schriftgrößen [AM 2]

Abbildung 2: Amazon.de mit verschiedenen Einstellungen der Schriftgrößen [AM 2]

Zwangsläufig muss eine Befolgung dieser Normenreihe nicht zu gebrauchstauglichen Anwendungssystemen führen. Eine fehlerhafte Auslegung einzelner Kriterien könnte diese Anstrengungen zunichte machen. Dementsprechend notwendig sind Instrumente wie z.B. Styleguides um die Anforderungen zu konkretisieren.

Was macht nun eine gebrauchstaugliche Websites aus?

Learnability bzw. Ease of learning hält Jakob Nielsen für das wichtigste Attribut seiner Usability Faktoren wenn es um die Gebrauchstauglichkeit von Webseiten geht. Denn die Benutzer nehmen sich nicht die Zeit, oder haben sie einfach nicht, die einzelne individuelle Website genauer zu erforschen. Somit ist ein schnelles effektives Arbeiten besonders wichtig.

Da die User immer einen Mausklick davon entfernt sind die Webseite zu wechseln, ist die subjektive Zufriedenheit sehr relevant für den Erfolg des Online-Angebots.

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